8 Gedanken zu „WM-Tagebuch, Tag 11: The Good, the Bad & the Ugly

  1. Lieber Tobi,
    vielen Dank für die erste Analyse.
    Was ich nach wie vor nicht verstehe sind die Ideen für rechte defensive Seite. Wenn ich richtig mitgezählt habe, kam die Elfenbeinküste in 2.Min (!), in der 12. Min, beim Tor in 28.Min, in 37. Min. und nochmal irgendwann bei der Chance zum 2:0 nach gleichem Muster über rechts. Nicht zu vergessen die Riesenchance in 87.Min.
    Das war vorhersehbar und hätte das Spiel anders herum entscheiden können.
    Welche Optionen hat Nagelsmann? Und warum nutzt er sie nicht?
    Grüße

  2. Ich denke die Alternative wäre Brown auf rechts zu schieben. Raum linker AV, Kimmich anstelle Pavlovic auf die 6. So wie ich JN einschätze belässt er es aber so wie es ist und lebt mit dem „ Risiko“ auf AV rechts.

  3. Die deutschen Spiele und das Ausscheiden der Türkei sollten doch jedem Experten deutlich machen, wie wichtig echte Stürmer sind, die den Abschluss suchen und auch eine Effizienz vorm Tor zeigen.

    Meiner Meinung nach hat uns der Verzicht auf einen abschlussstarken Stürmer die Turniere 2018, 2021, 2022 und mit Abstrichen 2024 gekostet.

    Alle Zahlen sprechen doch dafür, dass Deutschland weitaus gefährlicher und erfolgreicher ist, wenn man mit Typen wie Füllkrug oder Undav spielt.

    Da können Havertz und Sane noch so viele technische Fähigkeiten mit bringen…
    In 120min Spielzeit ohne Undav kam die deutsche Elf auf 2 Tore aus dem Spiel. Beide gegen Curacao. Direkte Beteiligung von Havertz und Sane? Keine.
    Mit Undav in 56min satte 5 Tore aus dem Spiel. Undav an allen direkt beteiligt.
    Man kann doch nicht mehr leugnen, dass die Abgezocktheit von Undav das deutsche Spiel extrem aufwertet.

    Havertz war in 1. HZ gegen Curacao größtenteils abgemeldet. Und auch gestern strahlte er nur einmal durch einen Kopfball Gefahr aus.

    Mit Undav hat sich die Dynamik des deutschen Offensivspiels massiv verändert. Die oft betonte defensive Stärke von Sane kam mMn auch nicht zum tragen. 8 von 11 Angriffen der Elfenbeinküste gelangten über Sane/Kimmichs Außenbahn ins deutschen Drittel.

    Bei der Türkei beschreibst du ja eine ähnliche Situation.

    Mir kommt es vor, dass heutzutage zu viele Trainer/Analysten in der Flut von Taktik-Begriffen und Statistiken die Relevanz von Toren vergessen.

    Im Endeffekt ist Fußball ein simples Spiel. Wer mehr Tore schießt gewinnt.

    Wenn ich mit Spielertyp A im Schnitt deutlich mehr Tore schieße als mit Spielertyp B dann verlieren Argumente wie „Spieler B ist aber stärker im Pressing“ ihre Relevanz.

    Julian Nagelsmann scheint aktuell auch zu sturr zu sein, um sich diesen Fehler eingestehen zu wollen.

    1. So sehr ich dir als Fussballfan (ersetze Fußball gerne durch Tore) Recht geben möchte. Noch wichtiger als Tore schießen, ist Gegentore zu verhindern. Siehe Kap Verde, Iran, Curacao, Katar, etc. Durch ihre Unentschieden (teilweise sogar 0-0) haben diese Mannschaften sind überhaupt im Turnier gehalten. Aber ja, wenn du die rechte Seite nicht dicht bekommst, dann musst du zusehen, dass du mehr Tore schießt als der Gegner.

      1. Da möchte ich dir widersprechen.

        Gegentore verhindern ist wichtig – aber das schaffen wir ja seit Jahren nicht – egal welche Spieler und ob 3er, 4er oder 5er Kette.
        Da reichen Gegner wie die Schweiz, Elfenbeinküste oder Südkorea und wir geraten defensiv seit 2018 massiv ins Wanken.

        Was aber seit 2018 auch statistisch in jedem Spiel, dass nicht gewonnen werden konnte, auch klar ist.
        Deutschland hat die Chancen.
        Deutschland hatte in jedem Spiel, auch gegen England, Frankreich und Spanien ein Chancenplus.
        Hat diese aber nicht gemacht.

        Klar könnte man jetzt argumentieren, die Gegner haben es besser geschafft Gegentore zu verhindern wie wir.

        Oder wir formulieren es so „Die Deutschen war zu blöd ihre Chancen in Tore umzumünzen“.

        Im Gegensatz zur Defensive haben wir jedoch bei jedem Turnier wieder gesehen, dass es Spielertypen gibt, die genau dies machen. Egal ob sie als Joker oder als Starter kommen. Ein Füllkrug, Kleindienst, Undav usw. haben alle gemeinsam, dass sie eine deutlich bessere Scorer/Tore-Rate pro Min / Spiel haben als alle anderen Offensivspieler.

        Wir haben mit Wirtz, Musiala etc. jede Menge kreative Power. Das bringt uns aber nur etwas, wenn wir den Ball vorne dann auch versenken.

        Und gerade hier fallen Sane und Havertz enorm ab.

        Rechnet man bei Havertz die Elfmeter raus, hat er eine echt dürftige Ausbeute im DFB Dress. Über Sane brauchen wir gar nicht mehr sprechen.

        Warum schwenkt man also nicht um? Nachdem man es jetzt 2018, 21, 22 und 24 versucht hat spielerisch erfolglos zu lösen und auch bei dieser WM in 120min ohne Stürmer ebenfalls nicht überzeuge konnte.

        Welches rationale Argument spricht denn bitte dagegen in einer solchen Situation auf den Spieler zu bauen, der bei diesem Turnier in 56 Minuten an 5 Toren direkt beteiligt war und alle 18min das Ding selbst im Tor unterbringt.

        Und das hat er auch vor dem Turnier schon beim VFB und im DFB Dress bewiesen. Auch über 90min!

        Der einzige erklärbare Grund ist für mich, dass Nagelsmann nicht über seinen Schatten springen und sich öffentlich eingestehen will, dass in diesem Fall die 82 Millionen Bundestrainer auf der Couch eben doch Recht hatten. Und seine sehr verkopfte offensive Spielidee einfach nicht effektiv ist.

    2. Fußball ist ein simples Spiel. Die alte Weisheit nährt das Phrasenschwein.
      Aber viel entscheidender ist aktuell, dass Fußball auf Nationalmannschaftsebene simpler ist als auf Vereinsebene. Wie strecke ich den Gegner, wer verwertet die Chancen effizient?

      Als Nationaltrainer hast du weder den Luxus des täglichen Trainings, um ein ausgeklügeltes Offensivsystem einzustudieren, und auch nicht den (theoretischen) Luxus der freien Spielerwahl, um die für eine kohärente Besetzung notwendigen Typen einbinden zu können. Nicht die Besten, sondern die Richtigen (c by Pepi Hickersberger) zu nominieren kann man sich nur leisten, wenn der Spielerpool selbst groß genug ist und man den Gegenwind aushält. Tuchel hat das getan und System sogar am treffsichersten Stürmer ausgerichtet. Er hat bei England aber auch die passenden Voraussetzungen dafür. Aber in den Vorschauen wurde bei einigen Nationen bereits die mangelnde Durchschlagskraft angesprochen. Neben der Türkei auch bei
      bei Mexiko, Algerien, Kongo und Panama.

  4. Ich hoffe, Nagelsmann lässt zum Spiel gegen Ecuador das eigentlich zum Kreativkern der deutschen Mannschaft auserwählte Filigran-Duo Wirtz-Musiala in der Startelf, die beiden sollten die Chance haben, ihre Form und zueinander zu finden. Gegen stärkere Gegner kommt das D-Team ohne die beiden in einem Top-Zustand wohl kaum aus. Ansonsten gibt es die beschriebenen überraschend positiven Entwicklungen. Und in der Kimmich-auf-rechts-oder-auf-der-Sechs-Frage sind für mich die Argumente der beiden Lager gleich stark. Aber an der einmal gefundenen K-Rechts-Lösung etwas kurzfristig oder von Fall zu Fall zu ändern, birgt eben Gefahren…

  5. Der Bundestrainer wird an der Startelf nichts mehr ändern, vor allem um diese Formation (in allen Mannschaftstrilen) weiter einzuspielen. Die Mannschaft ist noch nicht wirklich gefestigt; kann sie auch nicht sein. Da würden Wechsel nur weiter den Entstehungsprozess stören. Und sämtliche realistische Optionen für Wechsel würden ihr wiederum anderer Stärken berauben. Für wen sollte Undav in die Startelf rotieren?! Es wäre nachvollziehbar, wenn man der Elf weitere Spiele gibt, um in der KO-Phase noch widerstandsfähiger und in der Offensive variabler und torgefährlicher zu sein.

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