11 Gedanken zu „WM-Tagebuch, Tag 15: Wie Nagelsmann’s macht, macht Nagelsmann’s verkehrt

  1. „Viele Alarmsignale, die in den ersten beiden Gruppenspielen nur ganz leicht leuchteten, blinken gegen Ecuador rot auf.“

    Ist das für den Trainer nicht von Vorteil, weil er jetzt vor den KO-Spielen dazu gezwungen ist, diese Alarmsignale zu adressieren und die Warnungen auch mehr Gehör finden? Ist doch besser so, als nach der Zwischenrunde schreiben zu müssen: eIgEnTliCh sah man diese Schwächen auch schon in der Gruppenphase, aber da hatten sie keine Auswirkung auf das Ergebnis.

    1. Ich verstehe das Argument ehrlich gesagt immer nicht so ganz. Sollten in einem guten Team die Schwachstellen nicht sowieso bekannt sein und adressiert werden?
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Team so ein Spiel braucht und man danach in der Kabine sagt: „Ja geil Leute, jetzt haben wir nochmal gesehen was wir echt verbessern müssen.“
      Und selbst wenn das stimmt: Kann man die Dinge dann innerhalb von 1–2 Spielen so deutlich verbessern?
      Klar ist es besser so ein Spiel in einem für uns „unwichtigen“ Spiel zu haben, aber ich kann mir halt auch nicht vorstellen, dass es dann so viel besser wird.
      Ich hoffe, dass gestern tzd auch etwas der Kopf mit reingespielt hat und unterbewusst dann der ein oder andere eben doch gedacht hat „naja ist eh egal“ (auch wenns keiner zugeben würde) und man dann in den K.O Spielen wieder voll da ist, aber ich denke leider auch dass dann gegen Frankreich (wenns so kommt) Schluss ist

    2. Sehe ich ähnlich, grundsätzlich kann es von Vorteil sein, dass es in der Gruppe ein Ergebnis gab, welches die Schwächen aufgezeigt hat. Meine Sorge ist nur, ob diese Alarmsignale wirklich adressiert werden und die Schwächen abgestellt werden können. Im Moment scheint es mir so, als würde die Form vieler Leistungsträger einfach nicht ganz ausreichen. Im 16tel-Finale gegen höchstwahrscheinlich Paraguay wird das eher noch nicht zum Tragen kommen, aber spätestens im Achtelfinale muss die Mannschaft in vielen Aspekten nochmal 1-2 Gänge hochschalten, um sich durchsetzen zu können. Ich zweifel daran, dass sie dazu aktuell fähig sind.
      Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen und hoffe, dass wir noch ein paar gute Spiele sehen werden.

  2. „Dass Malick Thiaw ins Spiel kam, lag einzig daran, dass Joshua Kimmich vor den K.O.-Spielen noch einmal eine kleine Pause bekommen sollte. Weder Thiaw noch Pascal Groß oder Maximilian Beier werden noch eine große Rolle in diesem Turnier spielen.“

    Sicher, dass das kein Vorgriff war auf eine eventuelle Umstellung mit Kimmich auf der 8? Hinten rechts ist er selbst in der Vorrunde ein echtes Sicherheitsrisiko gewesen, gegen athletische Flügelspieler ist Thiaw die bessere Variante in der Dreierkette.

    1. Oh, interessante These! Daran habe ich noch nicht gedacht. Aber ich fürchte, Nagelsmann will Kimmich in der Verteidigung behalten. Ihn auf die Acht zu schieben, würde extrem viel in dieser Mannschaft umbauen. Für mich war es eher ein Test der Marke: „Was passiert, wenn Kimmich doch einmal ausgewechselt werden muss?“

  3. Willkommen zurück und weiterhin gute Besserung 🙂

    Was die „Krankheit“ der deutschen Elf betrifft, bin ich mittlerweile einfach ratlos. Aus meiner Sicht hat man die zwei Jahre seit der EM nicht genutzt, sodass man jetzt ein bedeutungsloses 3. Gruppenspiel zum weiteren Einspielen nutzt, die Wechsel dann aber doch die Rotationssprache sprechen – und als Ergebnis steht, dass man nicht nur dieselben Baustellen hat wie vorher, sondern eigentlich noch mehr …

    Das Gute: Gegen Paraguay sollte auch eine mittelmäßige Leistung zum Weiterkommen reichen und gegen Frankreich eine starke zum Ausscheiden, wenn Frankreich nicht einen ganz grottigen Tag erwischt.

  4. Ja, man kann mit Julian Nagelsmann hier durchaus kritisch sein:
    a) Wenn sich eine Mannschaft erst kurz vor der WM gefunden hat und man das 3. Spiel der WM quasi noch zum Einspielen benötigt, dann drängt sich die Frage auf, ob man in den 2 Jahren seit dem letzten Turnier alles richtig gemacht hat.
    b) Die Option „Never change a winning team“ mag ja ergebnistechnisch stimmen, aber gegen Curacao, und noch mehr gegen die Elfenbeinküste, waren doch offensichtliche Mängel zu sehen (Schwierigkeiten bei körperbetontem Spiel des Gegners, wenig Impulse von der Kreativabteilung, RV als Schwachstelle in der Abwehr). Was also wäre einfacher gewesen, als in einem Spiel ohne Risiko, ernsthaft* Spieler und Taktiken auszuprobieren, die man vielleicht später im Turnier als Alternative braucht, wenn die A-Elf wiederholt nicht „performed“. Offensichtlich ist Julian Nagelsmann aber so überzeugt von seiner Stammelf, dass er dies nicht für nicht nötig hält (bzw. manchmal wirkt er wie ein störrisches Kind, das – genervt von Fragen & Diskussionen – dann aus Trotz nicht von seiner Line abrücken will) . Er setzt so unnötig alles auf eine Karte und lässt mögliche Joker unangetastet liegen.
    * der Sinn hinter der Einwechslungen in der 2. Halbzeit war nicht zu erkennen; vielmehr hatte man den Eindruck einige Spieler wussten selbst nicht, warum sie jetzt in dieser „Rolle“ auf dem Platz sind und was ihre Aufgabe ist; sie werden so nie wieder zusammenspielen; ein Muster ohne jeglichen Wert

  5. Es wirkt so, als sei Nagelsmann in der falschen Rolle gefangen. Anfangs in der Bundesliga schienen seine Stärken darin zu liegen, mutige Ideen einzubringen und im Spiel oft die Gegner mit Anpassungen vor krasse Herausforderungen zu stellen.

    Nun muss er quasi auf Eingespieltheit und Stabilität gehen, weil man ihm sonst Aktionismus/jugendlichen Leichtsinn und Ego-Moves vorwerfen würde.

    Man merkt doch schon seit Spiel 1, dass es so nicht weit gehen kann. Vorne passt die Spielertypen nicht zusammen; es fehlt Tiefe. Musiala fehlt die Form. Havertz hängt bisweilen in der Luft. Sané hat nicht gerade das größte Standing.
    Diskutabel, warum er mit El Mala den Spieler zuhause lässt, der aufgrund seiner Entschlossenheit, Wucht und Tempo das größte Überraschungsmoment nach einer Einwechslung sein könnte (natürlich neben Undav).

    Defensiv wirkt Kimmich irgendwie „verschenkt“ und ebenfalls gefangen in seiner Rolle. Stets hat man das Gefühl, dass die N11 hinten schnell wackeln kann, wenn es wilder und druckvoller wird.

    Nagelsmann verliert sich in widersprüchlichen, patzigen Interviews. Seinen Mut hat er anscheinend schon zuvor verloren.

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