13 Gedanken zu „EM-Tagebuch, Tag 24: Die zentrale Achse

  1. Großartig deine Analysen. Bei Deutschland fehlen mir zur Wahrheit die vergebenen Chancen von Havertz oder Füllkrug. Im ko Spiel ist das tödlich.

  2. Hallo Tobias,

    mich würde interessieren welches die anderen beiden Ausnahmen in Hinsicht auf IV und ZM waren. Ansonsten nochmals herzlichen Dank für die bisherigen Analysen.

    Danke
    Klaus

  3. Um bei der Linksverteidigerposition allen gerecht zu werden, muss man wahrscheinlich zwei Mannschaften des Turniers aufstellen. Eine mit Fünferkette, eine mit Viererkette, die Aufgaben sind da schon klar unterschiedlich. In der Viererkettenmannschaft führt dann aber an Cucurella kein Weg vorbei. In der gerne etwas unterschätzten Disziplin Konterabsicherung ist er allen anderen Spielern im Turnier klar überlegen.

  4. Zur Wahrheit der Leistung der Türkei gehört allerdings auch, dass sie gestern bis zur Schlussoffensive bei 0,06 xG aus dem Spiel standen.
    Das ist natürlich angesichts ihrer Möglichkeiten völlig okay, aber zeigt auch den klaren Fokus in den KO Spielen.

  5. Interessant auch, dass alle Mannschaften, die rausgeflogen sind im Viertelfinale, einen höheren xG-Wert hatten als ihre jeweiligen Gegner.

  6. Lieber Tobi, vielen Dank jetzt schon für deine Analysen. Mich würde noch eine Einschätzung aus der Abteilung „Klugscheissen“ im Nachinein interessieren:
    Wie kann man die Einwechslung von Müller in der 80 Min. erklären? Nur die Hoffnung das er einen „reinmüllert“? Wäre nicht Undav oder Führich in puncto Tempo und Torgefahr die sinnvollere Optionen gewesen? Genau für diese Situationen (für welche sonst?) waren sie doch im Kader.

  7. Sehr schöne Analysen. Vielen Dank dafür.
    Habe nach Schlusspfiff der Deutschen direkt ausgeschaltet und deswegen nicht mehr das Interview mit JN gesehen. Und damit auch nicht, ob und was er zum Halbzeitwechsel Can -> Andrich gesagt hat.
    Meine Vermutung zur Halbzeit war, dass dies Konditionell begründet sein könnte.
    JN hat vor dem Speiel gesagt, dass diese Rolle extrem Laufintensiv ist und eigentlich fast nicht zu schaffen ist. Könnte es sein, dass er dies bewusst auf 2 Spieler aufteilen wollte?

  8. „Man kann alle Europameister und Weltmeister durchgehen, seit es bei bei Turnieren längere K.O.-Phasen gibt. Bei 17 von 22 der von mir überprüften Welt- und Europameister standen in sämtlichen K.O.-Spielen in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld dieselben Spieler auf dem Rasen.“

    Das riecht mir jetzt aber doch stark nach Survivorship Bias. Waren Welt- und Europameister nicht ohnehin meistens (Mit-)Favoriten? Müsste man sich für eine fundierte Aussage nicht alle KO-Duelle betrachten und jeweils sowohl die Änderung der Zentrumsbesetzung bewerten und gewichten als auch die Aufstiegsquoten vor dem Spiel berücksichtigen?

  9. Tobi, vielen Dank für deine interessanten Beiträge zu dieser EM!

    Ich bewerte Can vs. Andrich auch so, wie du es hier tust, aber finde diese Wahl für sich sowie das Verändern der zentralen Achse trotzdem weniger entscheidend als die Grundgedanken dahinter. Es ging nicht nur um Tempovorteile im Vergleich mit Ruiz – die Personalwahl auf allen (drei fraglichen) Positionen haben denselben Hintergrund. Für die Startelf ausgewählt wurde jeweils der schnellere/dynamischere gegenüber dem kombinativ stärkeren Spieler. Geführt hat dies zu einer extremen Spielanlage, die in den Analysen überraschend wenig thematisiert wurde, so weit ich das überblicke.

    Nagelsmann hat für diese Spiels einen klaren Umschaltfokus gewählt. Man hat fast über den ganzen Platz Manndeckung gespielt, um Spanien keinen ruhigen Ballbesitz zu geben und aus Umschaltsituationen zu Chancen zu kommen. Gründe dafür gabs wohl mehrere und einige gute. Zum Beispiel die Tempodefizite der spanischen (Innen-)Vertediger als deren grösste Schwäche, die nicht vorhandene Tiefe im deutschen Angriff in vorherigen Partien oder der Wunsch, nicht im tiefen Block verteidigen zu müssen (was ja davor auch weder im 4-4-2 noch 5-3-2 besonders gut geklappt hatte).
    Defensiv ist es gerade noch aufgegangen bis zur Pause, aber herausgekommen ist eine am Ball sehr ungeduldige und unpräzise Leistung. Es hat spielerische Qualität gefehlt, um das (Gegen-)Pressing zu umspielen (Raum, Can) und generell die Ruhe und das Vertrauen am Ball, weil anscheinend bei jeder Gelegenheit möglichst vertikal gespielt werden sollte. Im Rückstand mit den kombinativ stärkeren Spielern auf dem Platz lief dann einiges besser.

    Inwieweit ein kombinativer Ansatz zu Spielbeginn besser funktioniert hätte, ist natürlich kaum zu beurteilen. Insofern will ich das oben auch nicht als Kritik am Matchplan anmerken. Hätte auch sehr blöde ausgehen können, wenn man im tiefen Verteidigen ein Tor gekriegt hätte und dann eben nicht diese spielerischen Optionen von der Bank gehabt hätte…
    Um das Ganze auf die strategische Ebene zu tragen, finde ich es aber sehr bemerkenswert, wie weit der Matchplan von der ursprünglichen Spielidee bzw. der DNA dieses Teams entfernt war. Vor der EM bzw. anfangs waren die Schlagworte ja eher Wusiala, Pärchenbildung, „Leverkusener/Stuttgarter Schule“, usw. Jetzt stand zum Beispiel mit Tah plötzlich nur noch ein (wenig einflussreicher) Spieler dieser beiden Teams in der Startelf, das Spiel gegen den Ball schien mehr Gewicht zu haben als der Ballbesitz und die konkrete Ausgestaltung (Mannorientierungen) sind weder tägliches Brot dieser Spieler in ihren Klubs noch hat man jemals zusammen so gespielt.

    Es ist extrem faszinierend, wie mini Eindrücke aus einem Spiel (z.B. zu wenig Tiefe) sowie Entwicklungen im Turnierverlauf und all die 50:50-Entscheidungen zwischen verschiedenen Spielertypen, Kontinuität oder Veränderung bzw. taktische Gegneranpassung oder eigene Identität verfolgen im Nationalteam den Trainer fordern.
    Nagelsmann hat extrem wertvolle Arbeit geleistet und sehr viele schwierige Entscheidungen richtig getroffen, um das Team überhaupt auf ein bestimmtes Level zu bringen. Und man war praktisch ebenbürtig mit dem wohl besten Team des Turniers. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Möglichkeiten dieses Teams nicht ganz ausgeschöpft wurden und auf Dauer ein wenig Substanz fehlte entweder in der grundsätzlichen Spielidee (auch gegen den Ball, tiefes Verteidigen, etc.) bzw. bei den improvisierten Lösungen (5-3-2, Mannorientierungen, Tempospieler, etc.)

  10. Tolle Analyse Tobi. Vielen Dank!!!
    Deine Einschätzung aus der Katagorie „Im Nachhinein Klugscheissen und ist sicher auch egal gewesen“: Warum in Gottes Namen wurde Müller eingewechselt? Damit er einen „reinmüllert“. Alle drei Alternativen (Beier, Führich und Undav) hätten dem Spiel insbesondere in der Verlängerung doch mehr geholfen. Müller ist, wenn ich mich richtig erinnere, zweimal im 1:1 Laufduell aufs Tor ganz einfach abgelaufen worden.

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