6 Gedanken zu „Tag 24: Paraguays Mauer ist gefallen

  1. Danke für Deine Einschätzung zur „großzügigen Linie“ der Schiedsrichter bei dieser WM. Neben Paraguay hatte ich auch schon bei den Spielen von Ghana den Eindruck, das könnte auch in die falsche Richtung laufen, wenn man da nicht aufpaßt. Bei Aktionen, die die Ausführungen von Freistößen oder Strafstößen verzögern, sind die Schiris auch generell ziemlich inkonsequent bei der Sache.
    Hinzu kommt die bis hierhin sehr prinzipiell umgesetzte Vorgabe, für Duelle Südamerika vs. Europa einen Schiedsrichter aus einer unbeteiligten dritten Konföderation auszuwählen. Damit schränkt sich Collina bei den Ansetzungen unnötig ein.

  2. Hottake: keine südamerikanische Mannschaft würde jemals wieder ein WM Finale spielen wenn die Schiris mehr europäisch pfeifen würden. Bei fast sämtlichen Mannschaften aus Südamerika hat man das Gefühl ein Spiel Unions Berlin auf Steroide zu schauen

  3. Ich weiß nicht inwiefern du dich schon tiefer hierzu geäußert hast, aber mich würde deine Einschätzung zur generellen Schiedsrichterleistung bei der WM interessieren. Es gab nun schon vermehrt Spiele, in denen der Schiedsrichter einen überforderten, in der Linie wechselhaften und infolge dessen schlechten Eindruck hinterlassen hat. Das bei der WM eine längere Leine wohl an der Tagesordnung steht, empfinde ich erstmal als nachvollziehbare Entscheidung, aber dadurch entgleitet vielen Schiedsrichtern das Spiel. Auch viele Fehlentscheidungen und ein fehlendes Aufbäumen gegen die Rufe des VAR, die in der ein oder anderen Situation nötig gewesen wären, tragen negativ zum Gesamtbild bei. Aus dieser Perspektive ist es für mich auch unverständlich, dass ein Daniel Schlager, der dieses Jahr das wichtigste Spiel im Vereinsfußball geleitet hat, nicht bei dieser WM pfeift. Vielleicht ist das auch nur eine subjektive deutsche Perspektive, weil für mich die deutschen Spiele gegen Ecuador und Paraguay und nun auch Frankreich gegen Paraguay absolute Negativbeispiele waren.

  4. Ich stimme absolut zu, dass man von Frankreich, mit ihrer spielerischen Klasse, mehr erwartet hat. Ich denke aber auch, dass man nicht von Paraguayischer Qualität sprechen kann, wenn die gegen Frankreich in einen Boxkampf gehen, während Frankreich Fußball spielen will.

    Es ist eine Sache nicht mit einem Dribbling durch zu kommen auf Fußballerischer Ebene, es ist eine andere Sache wenn dir dein Gegner um das Dribbling zu verhindern wiederholt ins Gesicht schlägt und der Schiri trotzdem klar unfair gegen dich pfeift.

    Trotzdem gebe ich dir Recht, die Ideenkiste wurde nicht komplett ausgenutzt und die Erwartung war natürlich größer. Ich möchte aber noch einen Punkt in den Raum werfen wo ich, i guess, dir Widersprechen würde:

    Frankreich wusste, dass mehr als ein Tor nicht notwendig ist und man den Motor, falls nötig, jederzeit voll aufdrehen kann. Typisch Dechamp Fußball btw.!

    Während mehr getan hätte werden sollen, da bin ich auch mit dir komplett auf einer Linie, dass Frankreich mehr wagen hätte können, haben sie ihren unsichtbaren Plan trotzdem ausgespielt: Paraguay laufen zu lassen.
    Du sagst etwas: „Ähnlich wie Deutschland ließen sie die Kugel eher langsam von einer Seite zur anderen laufen.“, was ich dem Frankreichspiel gar nicht so abgenommen hätte. Natürlich hätte es schneller sein können, immerhin ist es Frankreich, aber Deutschland war die ersten 45min komplett Ideenlos und danach demoralisiert. Ich meine, warum hat man nach dem Ausgleich nicht mehr angegriffen und das Momentum mitgenommen? Erst in der zweiten Hälffte der Verlängerung hatte man dann endlich genug Kraft gefunden immer wieder und immer wieder Chancen rauszuspielen, bis der Schiri komplett versagt hatte.
    Als kleines Indiz: Man lief mehr als Paraguay (DE 134,1km vs 121,8km PAR), während Frankreich weniger lief (PAR 89,4km vs 84,1km FRA)(laut sofascore).

    Sicherlich wollte Deutschland das Tor dann sehr sehr doll, während Paraguay das Elfmeterschießen wollte, aber, wie auch im Bohndesligastream auch schon über Deutschland gesagt wurde, muss man die Paraguayaner über schnelle Pässe rauslocken oder wenigstens laufen lassen.
    Dafür das Paraguay in beiden Spielen praktisch keinen Zug nach Vorne hatte, ist es schon beeindruckend, dass Frankreich ein noch viel defensiveres Paraguay in der eigenen Hälfte laufen gelassen hat.

    Schlussendlich bin ich aber auch überzeugt, dass Frankreich auch noch einen Gang höher schrauben hätte können. Als Indiz dafür sehe ich vor allem, dass nach dem 0-1 in der 70′ die Franzosen einfach ein anderes Spiel gespielt haben, und auch in vorherigen Partien schnell den Gang aufgedreht haben. Außerdem sind 84km Laufleistung ziemlich wenig, im Verhältnis zu anderen KO.-Spielen in dieser WM.
    (Spanien 102, England 92, Norwegen 105, Marokko 101 Kilometer gelaufen)

    Ganz einfach gesagt: Ich sehe deine Kritik an Frankreich, möchte aber auch deutlich machen, dass diese Kritik nicht so stark auszulegen ist, da sie nie in der Bredouille gewesen waren, und alle Eisen ins Feuer zu legen mussten. Ich meine sogar dieses Phase nach der Trinkpause wodurch auch der Elfer dann zu Stande kam, war aus einer Phase der Leistungssteigerung heraus.

    Oder zu gut Deutsch: Die waren so abgebrüht gegen das unfaire Verhalten von Paraguay gegenzuhalten, was noch mal ein ganz anderes Level war als z.B. gegen Deutschland, und die wussten, dass das Spiel nach einem 0:1 vorbei ist. Ich würde sogar argumentieren, dass eine Verlängerung Frankreich auch gelegen wäre, das kann man aber durchaus diskutieren.
    Alles darüber hinaus wäre einfach unnötig riskant oder anstrengend gewesen. Man hat der Einzelleistung der Spieler vertraut, ohne viel Risiko nehmen zu wollen und das hat dann auch gefruchtet. Sah Arsc*h aus, aber am Ende für einen Titelkampf egal.

    Abgesehen von den Blauen Flecken, gehen die jetzt sogar mit den frischsten Beinen ins Achtelfinale.

    Geiles Tagebuch, danke dafür! Kuss geht raus!

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