Algeriens mögliche Formation bei der WM 2026
Der Fluch des Manuel Neuer lastet auf Algerien. 2014 war eine beeindruckend starke algerische Elf kurz davor, den Titelfavoriten Deutschland aus dem Turnier zu werfen. Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft spielten die Algerier Pass um Pass hinter die deutsche Abwehr – nur um dann an einem herausstürmenden Neuer zu scheitern. Seine Leistung gilt als Höhepunkt des modernen Torwartspiels.
Den algerischen Fußball verfolgt die Niederlage bis heute. Nie wieder kam die so talentierte Nationalelf in die Nähe eines WM-Viertelfinals. Für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 konnte sich das Land gar nicht erst qualifizieren. Sicher: 2019 gewann die Generation um Superstar Ryad Mahrez den Africa Cup. Bei den Austragungen 2017, 2021 und 2023 gab es aber eher peinliche Vorstellungen, als Algerien jeweils in der Gruppenphase ausschied.
2026 möchte Algerien zu neuen, alten Höhen fliegen. Das Problem: Ihr Kader ist zwar gespickt mit technisch hochveranlagten Spielern, die das Nachwuchssystem in Frankreich durchlaufen haben. Doch sowohl im taktischen wie auch physischen Bereich plagen die Mannschaft Schwächen, die besonders im direkten Duell mit Österreich schwer wiegen dürften.
Trainer Vladimir Petkovic weiß, wie man eine Nationalmannschaft zum Erfolg führt. Der gebürtige Kroate war jahrelang Nationaltrainer der Schweiz. Bei der Europameisterschaft 2021 schaltete seine Nati im Achtelfinale sensationell Frankreich aus. 2024 trat er das Amt in Algerien an. Seine Strategie lautete zunächst, die Defensive zu stabilisieren. Zwischen September 2024 und Januar 2026 kassierte Algerien in 22 Spielen nur einmal mehr als ein Gegentor; bei einem 3:4-Testspiel gegen Schweden. In dieser Phase traf man in der Qualifikation zum Africa Cup und zur Weltmeisterschaft auf individuell schwächere Teams. Diese Gegner konnte Algerien über das eigene, intensive Pressing dominieren.
Petkovic setzte bisher in den meisten Spielen auf eine Viererkette in der Abwehr. Die Mannschaft verteidigt in einer Mischung aus hohem 4-2-4 und tiefem 4-1-4-1. Was zunächst seltsam klingt, ergibt sich aus der Rolle von Zehner Ibrahim Maza: Er läuft häufig in vorderster Linie an und zieht sich dann wieder als dritter Sechser ins Mittelfeld zurück.

Die Stärke der Algerier im Spiel gegen den Ball ist jedoch weniger ihre taktische Disziplin als vielmehr ihre Intensität. Algerien mag nicht die körperlich kräftigste Elf der WM stellen; die meisten Spieler sind kleiner als 1,85 Meter. Dafür aber überzeugen sie durch hohe Lauffreude und den Drang, sich in jeden Zweikampf zu werfen. Gerade Hicham Boudaoui fällt durch eine gesunde Aggressivität auf.
Nicht immer kann Algerien jedoch die körperlichen Defizite verstecken. In der K.O.-Phase des Africa Cups im vergangenen Winter zeigten sie Schwächen gegen robuste Gegner. Beim Weiterkommen gegen die Demokratische Republik Kongo (1:0 n.V.) und beim Viertelfinal-Aus gegen Nigeria (0:2) erzielte Algerien kaum Ballgewinne für das wichtige Konterspiel. In beiden Partien kamen Lücken vor der Abwehr zum Vorschein.
In der Offensive passt sich Coach Petkovic an seine Spieler an und nicht umgekehrt. Mahrez genießt als einrückender Rechtsaußen viele Freiheiten. Petkovic baut das System so auf, dass der jeweilige Rechtsverteidiger – zuletzt meist Rafik Belghali – die Bewegungen von Mahrez ausbalanciert. Wenn Mahrez ins Zentrum zieht, marschiert Belghali die Linie entlang. Bleibt Mahrez breit, bietet sich Belghali im Halbraum an. Und wenn Mahrez keine Lust auf Defensivarbeit verspürt, sichert der Außenverteidiger für seinen Vordermann ab.
Nicht nur Mahrez verlässt häufig seine angestammte Position. Immer wieder lassen sich einzelne Spieler fallen oder starten unverblümt auf die Außen. Der algerische Kader ist gespickt mit technisch hochversierten, wendigen Achtern wie Ibrahim Maza, Farès Chaïbi oder Boudaoui.

Beizeiten trägt das Spiel von Algerien arg chaotische Züge. Gleich mehrere Spieler kommen dann dem Ball entgegen, während Linksaußen Mohamed Amoura Richtung Tor sprintet. Die hohe Lauffreude sämtlicher Akteure macht es dem Gegner nicht leicht, sämtliche Passoptionen zu schließen. Gerade Maza ist hier wichtig: Im vergangenen Jahr hat er bei Bayer Leverkusen einen großen Sprung gemacht, was seine Spielintelligenz betrifft. Auch im Nationaldress mausert er sich zum Fixpunkt im Zentrum und verbindet dort Angriff und Abwehr.
Wenn diese freien Positionswechsel aufgehen, können die Nordafrikaner ein temporeiches Kurzpassspiel aufziehen. Der Übergang aus dem Aufbau ins zweite Drittel gelingt relativ sicher: Vor allem Mahrez ist berüchtigt dafür, selbst eigentlich misslungene Zuspiele doch noch zu kontrollieren. Danach fliegt der Ball sofort schnell hinter die gegnerische Abwehr. Algerien möchte das Tempo der eigenen Angreifer nutzen.
Ein Hemmnis bei diesen Schnellangriffen ist die fehlende Durchschlagskraft. Beim Africa Cup musste Amoura im Sturmzentrum spielen. Dieser Satz dürfte bei Fans des VfL Wolfsburg eine posttraumatische Belastungsstörung triggern: Sie haben in dieser Saison erlebt, wie wenig Torgefahr eine Elf mit Amoura als zentralem Stürmer entwickelt. Zur WM kann Algerien zum Glück den während des Africa Cup verletzten Amine Gouiri zurückbegrüßen. Er ist zwar auch kein Spieler, der Bälle hält oder Flanken versenkt. Der Mittelstürmer aus Marseille überzeugt aber mit seiner Ballführung auf engem Raum und seiner Tororientierung. Doch auch mit ihm bleibt die fehlende Durchschlagskraft ein Problem. Algerien ist am effektivsten, wenn sie nach Ballgewinnen das Tempo ihrer Angreifer bedienen können. Dazu braucht es jedoch Ballgewinne – und da kommen die oben genannten Probleme zum Tragen.
Eine weitere Schwäche findet sich im Gegenpressing. Das Gegentor zum 0:2 im Africa-Cup-Viertelfinale gegen Nigeria war das Paradebeispiel: Sämtliche algerischen Mittelfeldspieler waren in dieser Situation auf die Außen ausgewichen. Als Maza die Kugel verlor, fand der Gegner einen riesengroßen, freien Raum im Zentrum vor. Mit einem Pass durch das Zentrum hebelte Nigeria die gesamte algerische Abwehr aus. Genau auf diese Situationen wird Gruppengegner Österreich lauern.

In den so wichtigen B-Noten kann Algerien nicht punkten. Standards sind eher eine Schwäche des Teams. Das Tor hütete beim Africa Cup Zinedine Zidanes Sohn Luca. Der 28-Jährige besann sich auf das Herkunftsland seines Vaters, steht als Torhüter des spanischen Zweitligisten Granada aber nicht für die höchste Qualität. Im Testspiel gegen die Niederlande konnte er sich mit starken Paraden auszeichnen. Ob ihm das bei der WM gelingt, ist eine andere Frage. Damit die Null steht, muss vor allem die Abwehr um BVB-Star Ramy Bensebaini über sich hinauswachsen.
Für ein erfolgreiches Turnier muss Algerien zwei Facetten verbinden: Sie müssen kompakter und robuster verteidigen als beim Africa Cup und zugleich die Zahl der Ballgewinne hochschrauben. So könnten sie ihr zweifellos vorhandenes Tempo ausspielen. Eventuell setzt Petkovic dafür auf ein neu formiertes 5-2-3-System; er testete dies im März gegen Uruguay (0:0). Doch egal, ob Algerien mit einer Vierer- oder Fünferkette verteidigt: Beim Viertelfinal-Aus im Africa Cup hinterließ Algerien nicht den Eindruck, als würden sie bei der Weltmeisterschaft Bäume ausreißen. Eine Wiederholung des spektakulären Achtelfinals aus dem Jahr 2014 erscheint unwahrscheinlich.
Algerien ist ein giftiger und nerviger Gegner. Um in der Gruppe weiterzukommen, müssen sie sowohl defensiv als auch offensiv ihre Leistung aus dem Africa Cup steigern.
GESAMTFAZIT
Nun hat Algerien gegen Argentinien mit Viererkette gespielt und die von dir angesprochenen Amoura und Mahrez erst in der 64. Minute eingewechselt.
Ich leite daher ab, dass das Spiel gegen Argentinien nicht mit 100% gespielt wurde und die Fünferkette für Petkovic eher kein Thema mehr ist?