2 Gedanken zu „Vorschau Norwegen: Der nicht allzu geheime Geheimfavorit

  1. Danke für diese Analyse. Ich muss gestehen: Ich traue dem Hype um Norwegen nicht ganz. Das hat mehrere Gründe, die größtenteils in der Vergangenheit liegen (also teilweise vermutlich völliger Unsinn sind).

    1. wann ist so ein Riesenhype um ein Team, der nicht erst beim Turnier selbst entstanden ist, sondern „mitgebracht“ wurde schonmal wirklich gut ausgegangen?
    2. ich bin aus Österreich, mein Land wurde, nach ewig langer Abwesenheit von großen Turnieren, vor der EM 2016 auch zum favoritigsten aller Geheimfavoriten erklärt, weil wir (mit einem schwächeren Kader als Norwegen heuer) durch die Qualifikation gerauscht sind und coolen Pressingfußball gespielt haben, um dann in einer Gruppe mit Ungarn, Portugal und Island zu verkacken. Diese Norwegen-Vorschusseuphorie hat ganz üble 2016er Vibes für mich.
    3. Diese völlige Abwesenheit von einem Plan B ist auch etwas, was sie mit Österreich gemeinsam haben (damals wie heute).
    4. Auch die zu diesem Zeitpunkt geringe Turniererfahrung haben sie mit dem 2016er-Österreich gemeinsam, das hat definitv eine Rolle gespielt.
    5. Ja gut, ein Teil meines Pessimismus‘ rührt auch von meiner grundsätzlichen Skandinavien-Fußball-Skepsis, die in den Jahr(zehnt)en entstanden ist, in denen uns insbesondere Schweden mit dogmatisch-starrem 4-4-2-Gebolze gequält hat. Norwegen eh auch, nur erfolgloser, wodurch ewig lang weniger als nichts aus dieser Spielergeneration herausgeholt wurde – vom selben Coach, der jetzt zur WM fährt. Noch unmittelbar vor der Quali, wurden die Norweger in der Nations League von Österreich mit 5:1 aus dem Stadion geschossen. Mit Haaland und Sørloth.
    Du hast es eh in deiner Analyse beschrieben, aber so ganz kann ich mir noch nicht ausmalen, wie aus dieser starbesetzten aber nach wie vor ein wenig biederen Truppe in so kurzer Zeit so ein Spitzenteam werden konnte, das jetzt die WM aufmischen soll.

    Mein Kandidat für die Enttäuschung des Turniers, aber vielleicht will ich ja auch einfach nur gescheiter sein als alle anderen.

    1. Du musst selber gestehen: Deine Argumente 1, 2, 4 und 5 fußen auf den Erfahrungen aus der Vergangenheit. Das kann, muss aber nichts heißen. Belgien kam 2014 auch ohne Turniererfahrung nach Brasilien und hat (mit ziemlich mistigen Fußball) auf Anhieb das Viertelfinale erreicht. Italien hat drei Weltmeisterschaften verpasst, und trotzdem zwischendurch die Euro 2021 gewonnen. Bei Norwegen kommt Talent und ein gutes System zusammen. Nur mit einem gebe ich dir recht: deinem Punkt 3. Wenn die Gegner ihren Plan A zerlegen, sehe ich schwarz für Norwegen. Dann wäre sogar ein Vorrundenaus drin. (Was in einer Gruppe mit viereinhalb Sterne Frankreich und drei Sterne Senegal – der aus meiner Sicht besten Mannschaft Afrikas – auch keine unendlich große Schande wäre.)

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