Neuseelands mögliche Formation bei der WM 2026
Quizfrage: Welcher Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2026 belegt den niedrigsten Rang in der Fifa-Weltrangliste? Da diese Frage die Teamanalyse Neuseelands einleitet, lautet die Antwort sicher nicht Curacao oder Haiti. In der Tat: Kein Team hat in den vergangenen Jahren weniger Punkte gesammelt als Neuseeland – und das ist kein Zufall.
Die Qualifikation war für die Neuseeländer ein Selbstgänger. Durch die Aufstockung auf 48 Teilnehmer bekam der Ozeanische Kontinentalverband erstmals einen festen Startplatz zugewiesen. Neuseeland musste nur Tahiti (7:0) und Neukaledonien (3:0) bezwingen, um sich bereits im März 2025 das WM-Ticket zu sichern.
Seitdem hagelte es Niederlagen. Nach einem 1:0-Erfolg über eine ivorische B-Elf im Juni 2025 verlor Neuseeland acht von neun Testspielen. Einzig gegen eine norwegische C-Elf gelang ein Unentschieden (1:1). Dabei wurde Neuseeland nicht nur von WM-Teilnehmern wie Ecuador (0:2), Kolumbien (1:2) oder Australien (0:1 & 1:3) bezwungen, sondern auch von der Ukraine (1:2), Polen (0:1) und Finnland (0:2). Die Serie des Grauens riss erst im letzten Testspiel des März-Fensters. Gegen Chile gewann Neuseeland klar mit 4:1. Allerdings agierten die nicht für die WM qualifizierten Chilenen nach einer Gelb-Roten Karte sechzig Minuten in Unterzahl. Zu Beginn der Vorbereitung folgte eine 0:4-Niederlage gegen Haiti.
Die Ergebnisse spiegeln die Leistungsstärke Neuseelands wider. Die Kiwis stellen eine der individuell schwächeren Mannschaften der Weltmeisterschaft. Weder defensiv noch offensiv verfügt die Mannschaft über nennenswerte Qualitäten. Hoffnung bereitet nur die Tatsache, dass zwei lange verletzte Schlüsselspieler rechtzeitig zur WM zurückkehren.
Neuseeland hat sich erstmals seit sechzehn Jahren wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Wie passend: Auch das Spielsystem von Trainer Darren Bazeley wirkt, als sei es direkt dem Jahr 2010 entsprungen. Sein Team agiert aus einem klassischen 4-2-3-1. Gegen den Ball stehen Zehner und Mittelstürmer leicht versetzt zueinander. So entsteht eine 4-4-1-1-Formation.

Meist lauert Neuseeland in einem Mittelfeldpressing auf Bälle in Richtung des Mittelkreises. Manchmal schiebt der Stürmer zwischen die gegnerischen Innenverteidiger, um genau diese Zuspiele zu forcieren. Um im Mittelfeld die erwünschten Bälle zu gewinnen, agieren die Sechser und die Außenspieler äußerst mannorientiert. Alternativ nutzt Neuseeland ein 4-3-3-Pressing. Dazu schiebt einer der Außenstürmer asymmetrisch nach vorne, der andere hält sich etwas zurück. Diese Formation kommt vor allem gegen Dreierketten zum Einsatz.
Sowohl die 4-4-1-1- als auch die 4-3-3-Variante dürfte altgedienten Taktiknerds bekannt vorkommen: Es wirkt beinahe so, als hätte Bazeley ein paar alte Taktiktafeln von Jürgen Klopp auf dem Sperrmüll gefunden. Allerdings erreicht Neuseeland nie die Intensität einer Klopp-Mannschaft. Gerade das Mittelfeld brilliert nicht gerade in direkten Zweikämpfen. In der eigenen Hälfte wiederum werden die Mannorientierungen häufig zum Bumerang: Gleich mehrere Mittelfeldspieler lassen sich mit in die Abwehrkette fallen, sodass Neuseeland den Rückraum völlig entblößt. Auch so erklären sich die Niederlagen gegen die Gegner aus Südamerika und Europa.

Im Ballbesitz setzt Neuseeland ebenfalls auf taktische Mittel, die typisch sind für eine klassische 4-2-3-1-Formation. Ein Sechser – zumeist Marko Stamenić – lässt sich zwischen die Innenverteidiger oder auf die rechte Seite fallen. Die Außenverteidiger können dadurch weit nach vorne aufrücken, die Außenstürmer wiederum in die Mitte ziehen. Neuseeland möchte die Außenstürmer in den Halbräumen füttern oder den Ball direkt in die letzte Linie nach vorne schlagen.
In den Testspielen funktionierte der Spielaufbau der Neuseeländer gar nicht so schlecht. Stamenić und Joe Bell spielen flache oder halbhohe Bälle nach vorne, während die Innenverteidiger ihnen zuarbeiten. Der Zehner kommt ebenfalls dem Ball entgegen. Dadurch verfügt Neuseeland über eine sichere Ballzirkulation in der ersten Linie.
Das Problem: Aus dieser Ausgangsstellung gelingt es ihnen nur äußerst selten, ins letzte Drittel zu gelangen. Das offensive Zentrum blieb in den jüngsten Testspielen häufig verwaist. Am ehesten gelingt der Raumgewinn über die Flügel, wenn die breiten Außenverteidiger die eingerückten Außenstürmer an die Grundlinie schicken. Die Flügelspieler können sich jedoch selten im Eins-gegen-Eins durchsetzen. Gerade gegen individuell starke Gegner hat Neuseeland aus dem Spiel heraus kaum Chancen kreiert.
Nimmt man nur die jüngsten Testspiele zum Maßstab, fällt die Bewertung Neuseelands ziemlich schlecht aus. Torhüter Max Crocombe war der Garant dafür, dass die stets verdienten Niederlagen nicht höher ausfielen. Allerdings musste Neuseeland monatelang auf die zwei wichtigsten Offensivspieler verzichten. Sarpreet Singh – einst als Talent bei den Bayern angestellt – verkörpert die Rolle des umtriebigen Zehners wesentlich besser als sein Ersatzmann Elijah Just. Singh fiel den ganzen Winter aus, meldet sich aber rechtzeitig zur WM fit.

Noch gewichtiger war der Ausfall des einzigen neuseeländischen Spielers auf Premier-League-Niveau: Chris Wood laborierte zwischen Oktober und April an einer schwerwiegenden Knieverletzung. Der 34-Jährige ist rechtzeitig zur WM fit geworden und hat auch für seinen Verein Nottingham Forest bereits wieder wichtige Tore erzielt, etwa im Halbfinale der Europa League.
Der Mittelstürmer nimmt eine Schlüsselrolle im neuseeländischen Spiel ein. Mit seiner Körperlichkeit bindet er nicht nur gegnerische Verteidiger und dient als Anspielpunkt für hohe und halbhohe Bälle. Vor allem ist er der einzige Angreifer, der im Strafraum tatsächlich Torgefahr ausstrahlt. Seine Kopfballstärke hat Neuseeland stark gefehlt. Mit ihm als Mittelstürmer dürfte Neuseeland wesentlich flügellastiger agieren als zuletzt.
Wood dürfte einen weiteren Antrieb haben, gegen den Iran in der Startaufstellung zu stehen: Wenn er 16 Jahre nach seinem WM-Debüt erneut bei einem Turnier aufläuft, bricht er einen Rekord. Bei keinem Feldspieler lagen derart viele Jahre zwischen zwei WM-Auftritten. (Kolumbiens Torhüter Faryd Mondragón musste ebenfalls 16 Jahre warten. Kommt Wood in der Vorrunde zum Einsatz, würde Mondragón den Rekord um ein paar Tage behalten.)
Dennoch bleibt auch mit Wood die Frage, wie Neuseeland gegen die defensiv stabilen Gegner der eigenen Gruppe Tore erzielen möchte. Die einfachste Antwort lautet: Standardsituationen. Fünf der letzten neun Tore erzielte Neuseeland nach ruhenden Bällen. Mit Strafraumstürmer Wood dürfte diese Stärke noch stärker zur Geltung kommen. Die Außenverteidiger Francis de Vries und Tim Payne sind für diese Situationen prädestiniert. Neuseeland lauert zudem klug auf den Abpraller.
Genügen ein 4-2-3-1-Mittelfeldpressing und ein paar Standards zum Weiterkommen? Im Idealfall wiederholt Neuseeland den Turnierverlauf von 2010. Beim vorerst letzten WM-Auftritt holte der Außenseiter drei Unentschieden gegen die Slowakei (1:1), Italien (1:1) und Paraguay (0:0). Damals bedeutete dies das Aus in der Gruppenphase. Das 2026er-Format dürfte solch eine Punkteausbeute stärker honorieren. Und wenn es mit dem Weiterkommen klappt, dürfte Neuseeland auch in der Fifa-Weltrangliste nach vorne rücken.
Das, was ich gesehen habe, macht wenig Hoffnung auf den ersten neuseeländischen Sieg bei einer WM. Sie müssen hoffen, dass die Rückkehrer das Niveau heben.
GESAMTFAZIT
Did you forget Group E? 😂
Group E is the German group and since I am a German, this group will be coming last. I want to wait for the last moment to get everything right.