Schwedens mögliche Formation bei der WM.
Kaum eine Metapher wird im Fußball häufiger bemüht als der berüchtigte Phönix, der aus der Asche emporsteigt. Selten traf diese Formulierung so zu wie bei der schwedischen Nationalmannschaft. Die jüngere Geschichte des schwedischen Fußballs ist reich an Tiefpunkten. Die stolze Fußballnation konnte sich weder für die WM 2022 noch für die EM 2024 qualifizieren. In der Nations League stieg sie zwischenzeitlich in Liga C ab.
Der dänische Trainer Jon Dahl Tomasson sollte die Negativserie beenden und die Schweden zur WM 2026 führen. Doch bereits der Auftakt in die Qualifikation ging schief. Schweden spielte nur Remis gegen Slowenien (2:2). Es folgten Niederlagen gegen den Kosovo (0:2), die Schweiz (0:2) und erneut gegen Kosovo (0:1), was einen historischen Vorgang auslöste: Erstmals in seiner Geschichte entließ der schwedische Verband einen Trainer.
Graham Potter übernahm. Er konnte zwar die reguläre Qualifikation nicht mehr retten. Schweden belegte letztlich mit zwei Punkten den letzten Rang. Die Uefa warf dem Vizeweltmeister von 1958 jedoch einen Rettungsring zu: Als Gruppenerster in der Nations League C durften sie an den Playoffs zur WM teilnehmen. Die Asche setzte sich zu einem veritablen Phönix zusammen: Mit einem souveränen 3:1 gegen die Ukraine und einem hart umkämpften 3:2 über Polen gelang Schweden die Qualifikation – und das, ohne in der Gruppenphase ein einziges Spiel gewonnen zu haben.
Wer Schweden angesichts dieser kafkaesken Playoff-Reise als Außenseiter abstempeln will, denkt zu kurz. Die Schweden schicken eine individuell stark besetzte Mannschaft nach Nordamerika. Allein die drei Angreifer Alexander Isak, Viktor Gyökeres und Anthony Elanga erzielten im Transfersommer 2025 in Summe Ablösezahlungen in Höhe von 277 Millionen Euro. Der mittlerweile 31 Jahre alte Victor Lindelöf hat jahrelang für Manchester United gespielt. An seiner Seite verteidigen mit Isak Hien (Atalanta) und Daniel Svensson (Borussia Dortmund) zwei Akteure, die regelmäßig in der Champions League spielen. Yasin Ayari mauserte sich bei Brighton als dauerlaufender Achter zum Stabilisator. Benjamin Nygren schoss für Celtic in dieser Saison 21 Pflichtspieltore. Kreativgeist Dejan Kulusevski verpasste zwar die WM mit einer Knieverletzung. Dennoch: Schwedens erste Elf ist absolut konkurrenzfähig.

Bislang gelang es jedoch keinem Trainer, die Stärken dieser Spieler zu einer stabilen Einheit zusammenzufügen. Tomassons 5-3-2 funktionierte in der Qualifikation überhaupt nicht. Die Verbindung zwischen Abwehr und Angriff war gekappt, die Manndeckung gegen den Ball löchrig. Erschwerend hinzu kam Tomassons eigenwilliger Umgang mit der Mannschaft. Svensson soll erst zwei Stunden vor dem Anpfiff des wichtigen Spiels gegen Kosovo erfahren haben, dass er im zentralen Mittelfeld aufläuft – eine Position, die er noch nie gespielt hatte.
Potter tat, was ein Neuankömmling in dieser Situation in der Regel tut: Er reduzierte die Komplexität. Nachdem er in den finalen Qualifikationsspielen mit einem 4-4-2 experimentierte, stellte er in den Playoff-Duellen auf ein 5-2-3 um. In diesen Spielen lag Schwedens Fokus auf der Defensive und dem Umschaltspiel. Sowohl gegen die Ukraine als auch gegen Polen lag ihr Ballbesitzwert bei rund 33%.
Gegen den Ball wechselte Schweden zwischen einem höheren 5-2-3-Pressing und einem tiefen 5-3-2. Scharnier zwischen beiden Formationen war Nygren. Vor allem in tieferen Phasen gelang es den Schweden, eine hohe Kompaktheit herzustellen. Durch das Zentrum waren sie kaum bezwingbar: Zehner Nygren und Sechser Ayari schlossen mit ihrer Laufstärke die Räume. Die Ukraine erspielte sich im Halbfinale praktisch keine Chancen.
Gegen Polen wirkte die Defensive der Schweden anfälliger. Das war teils über die Nervosität zu erklären, die sich einschlich; Schweden verspielte beim 3:2-Sieg zweimal eine Führung. Es traten jedoch auch Probleme zutage, die Schweden bereits in der Qualifikation plagten. Die Flügelspieler müssen im aktuellen System häufig Situationen allein lösen. Man müsste meinen, dass Svensson und Gabriel Gudmundsson (Leeds) diese Anforderung erfüllen. Im Nationaldress schwächeln sie jedoch im direkten Zweikampf.

Im Playoff-Finale sorgten die Schweden nur selten für Entlastung. Das gesamte Offensivspiel war auf Schnellangriffe über Gyökeres oder Elanga ausgelegt. Entweder sollte Gyökeres direkt hinter die Abwehr geschickt werden – oder aber Elanga bekam einen flachen Ball und ging ins Dribbling. Die Taktik ging weitgehend auf: Gyökeres erzielte vier der sechs schwedischen Playoff-Treffer, Elanga ein weiteres Tor. Allerdings waren durch diesen Ansatz Ballbesitzphasen rar gesät. Polen belagerte zwischenzeitlich den schwedischen Strafraum.
Immerhin: Schweden gelang mit diesem Konteransatz die nicht mehr für möglich gehaltene Qualifikation. Doch wird Potter auch im Sommer auf das Konterlastige 5-2-3-System setzen? Grundsätzlich können viele Spieler in dieser Formation ihre optimale Rolle bekleiden, sei es der in beiden Playoff-Duellen starke Nygren oder die Doppelsechs.

Nun lagen die Voraussetzungen für Potter günstig, auf solch ein System umzustellen – nicht nur aufgrund der verpatzten Qualifikation, sondern auch angesichts der Personalsituation. Mit Isak und Kulusevski fehlten zwei Akteure, die allein aufgrund ihres Status gesetzt sein müssten. Kulusevski verpasst die WM, Isak ist dabei.
Dieses Überangebot in der Offensive hat bereits Potters Vorgängern Kopfschmerzen bereitet. Tomassons 5-3-2-System war ein Versuch, Gyökeres und Isak als gemeinsame Doppelspitze zu etablieren. Auf dem Papier sollten sich die Stärken der Akteure ergänzen: Gyökeres agiert mit seinem Tempo und seiner Körperlichkeit gerne an der letzten Linie, während Isak sich zurückfallen lässt und das Kombinationsspiel sucht. Doch im Nationaldress hat es nie Klick gemacht. Zehnmal standen sie gemeinsam in der Startelf, sechs Spiele gewannen die Schweden, vier verloren sie. Die Bilanz liest sich besser, als sie ist: Fünf der sechs Siege gelangen über die Fußballzwerge Aserbaidschan und Estland. Gegen starke Gegner funktionierte das Duo vor allem gegen den Ball nicht. Bislang hat sich aber noch kein schwedischer Nationaltrainer gewagt, den norwegischen Weg zu gehen. Hier blockierten sich Erling Haaland und Alexander Sørloth lange Zeit gegenseitig, ehe Sørloth die Rolle als Linksaußen schmackhaft gemacht wurde.
Um alle Stars unterzubringen, wäre ein offensives 4-4-2 mit Nygren als einrückendem Linksaußen und Elanga als breitem Rechtsaußen möglich. Doch diese Formation wäre angesichts der Lücken im Pressing und der schweren Gruppengegner deutlich zu offensiv. Das 5-2-3 der Playoff-Spiele wäre eine passende Wahl, zumindest gegen die Niederlande und Japan. Aber ein Dreiersturm mit Gyökeres, Isak und Elanga wäre gegen den Ball arg riskant. Das defensivere System in den Playoff-Spielen funktionierte hauptsächlich aufgrund der Opferbereitschaft von Nygren. Welchen seiner Superstars kann Potter auf die Bank verbannen, ohne Ärger mit den Spielern oder der Öffentlichkeit zu riskieren?
Das macht die Einschätzung von Schweden bei dieser WM so schwierig. Individuell schlummert ein Drei-Sterne-Team in diesem Kader, auch wenn er hinter der ersten Elf eher schwach besetzt ist. Die Qualifikation zeigte jedoch auch, dass Schweden ohne ein funktionierendes taktisches System zu einer Eineinhalb-Sterne-Mannschaft schrumpft. Wichtig wird sein, dass Schweden bereits im ersten Spiel gegen Tunesien punktet. Wenn die Gruppenfavoriten Niederlande und Japan Punkte lassen, könnte Schweden mit Konterfußball zur Überraschung segeln. Ob Potter in der Vorbereitung das richtige System findet, entscheidet darüber, wie hoch der Phönix fliegt – oder ob er schon im Auftaktspiel gegen Tunesien wieder zu Asche zerfällt.
Der Kader von Schweden ist absolut konkurrenzfähig. Doch noch keinem Trainer gelang es, dass die unterschiedlichen Spielertypen harmonieren. Ein Sieg gegen Tunesien ist Pflicht, möchte Schweden weiterkommen.
GESAMTFAZIT
Ich glaube, der Torwart in der Aufstellung muss korrigiert werden.
Danke dir, ich habe es korrigiert!