10 Gedanken zu „Vorschau Mexiko: Ab durch die Mitte!

  1. Langzeit Leser, vor allem von deinen Werder Bremen Analysen, erster Kommentar. Als Mexikaner gehe ich leicht optimistisch ins Turnier, vor allem wegen der jungen Mittelfeldtalente Gilberto Mora und Brian Gutiérrez und wegen unserer starken Abwehr. 2022 war der Mangel eines torgefährlichen Spielers der Genickbruch dieser Mannschaft. Damals war Raúl Jiménez immer noch komplett außer Form. Es war ein kleiner Skandal das der noch bei Feyenoord unter Arne Slot gut aufspielende Santiago Giménez nicht mitfahren durfte. Heute kann sich Giménez glücklich schätzen, dass er mitkommt da die Konkurrenz mit Spielern wie Armando González (Torschützenkönig in der heimischen Liga MX) und auch Julián Quiñones (Torschützenkönig in der Saudi Pro League und aktueller Teamkollege von Julian Weigl) gewachsen ist. Das Raúl Jiménez trotz seiner 35 Jahre der unangefochtene Stammstürmer ist liegt meines Erachtens nicht nur an seinen Fähigkeiten im Spielaufbau, sondern auch das er sich alleine Chancen erarbeiten kann und daran das er für den ein oder anderen magischen Moment, wie seine Freistoßtore in Gold Cup und Nations League, immer noch gut ist. Er ist die Säule des mangelnden Angriffs seit Aguirre wieder Trainer ist und ein Anführer auf dem Platz. Dafür konnte Quiñones im Nationalmannschaftstrikot bis jetzt nicht ganz überzeugen, der junge Volksheld González ist noch zu unerfahren. Du beschreibst die Spielweise Mexikos in guten Phasen als unausrechenbar. Das Gleiche würde ich über Javier Aguirre als Trainer auch sagen. Er hat keine Angst vor Rotation und ist für den ein oder anderen Geistesblitz, wie ein 4-4-2 mit Doppelspitze bei der letzten Nations League, zu haben. Bin sehr gespannt auf die 11 die Aguirre in 10 Tagen gegen Südafrika auf Feld schickt.

    1. Es freut mich, dass gleich unter dem ersten Artikel so ein inhaltsreicher Kommentar kommt! Vielen herzlichen Dank. Ich muss gestehen, dass ich von den Talenten aus der mexikanischen Liga nicht viel mehr weiß, als was ich im Zuge der Recherche bei der Nationalmannschaft gesehen habe. Gonzalez ist auf jeden Fall ein interessanter Mann, aber ich kenne ihn kaum. Auf Aguirre kann ich mir auch noch keinen Reim machen. Ich bin aber durchaus gespannt, was Mexiko zustandebringt. Ich mag diese ständigen Überladungen des Zehnerraums (auch wenn ihnen ein Tiefensprinter gut täte).

      1. Oh, ja! Der einzige nominelle Tiefensprinter im Kader ist César Huerta der von einer verletzungsbedingt gebrauchten Saison bei Anderlecht kommt. Gerade deswegen verlässt man sich so auf die Tiefgänge von Gallardo als linker AV (der, wenn ich mich richtig erinnere, am Anfang seiner Karriere auch linker Flügel gespielt hat).

        Kurioserweise produziert die mexikanische Liga in letzter Zeit vor allem talentierte 8er und 10er. Mehrere Kandidaten (wie etwa Marcel Ruíz von Toluca, Érick Sánchez von América oder Elías Montiel von Pachuca) mussten wegen der Menge an guten Optionen zu Hause bleiben. Gilberto Mora ist das Paradebeispiel und auf jeden Fall der mexikanische Player to Watch. Bin sehr gespannt auf die möglichen Kombinationen zwischen ihm und Brian Gutiérrez, der spät dazukam aber sich sofort als möglicher Startelfkandidat herauskristallisiert hat.

        Und danke dir für deine Artikel! Freue mich auf die restlichen Vorschauen.

        1. Moin Ehli und Tobi, ich halte ebenfalls sehr viel von Gilberto Mofa. Ich habe ihn aufgrund der dankbaren Gruppe als James Rodriguez für die WM 26 gekürt, Tobi meint aber er komme aus Paraguay. Schau dir bitte nochmal Mora an, du wirst ihn lieben!

  2. Mexiko spielt, vorausgesetzt sie werden Gruppensieger, 4 der ersten 5 Spiele, also bis in ein potentielles Achtelfinale hinein, im Aztekenstadion auf 2.240 Meter Höhe. Das ist jetzt noch nicht die bolivianische Höhe von La Paz (knapp 4 km), von der Bolivien in Heimspielen traditionell extrem profitiert, aber schon auf 2.200 Metern macht sich der geringere Luftdruck bemerkbar, als der menschliche Körper 25% weniger Sauerstoff aufnimmt. Ein wichtiger Faktor, der die lange Vorbereitung der Mexikaner erklärt.

    Gruppengegner Tschechien wird im Unterschied zu Südafrika und Südkorea kein Höhentraining absolvieren. Gleiches trifft auf potentielle Gegner in den K.O.-Spielen zu. Man sollte diesen Faktor weder über-, noch unterbewerten, ich persönlich könnte mir aber vorstellen, dass die Höhe im Aggregat mit dem allgemeinen Heimvorteil und den vielleicht leidenschaftlichsten Fußballfans auf diesem Planeten im Rücken reichen wird, um wie bei der Heim-WM 86 ins VF einzuziehen, und ja, das würde bedeuten, dass man im AF wahrscheinlich England aus dem Weg räumen müsste.
    Die letzte Heimniederlage Mexikos im Aztekenstadion liegt bereits 13 Jahre zurück.
    Mehr zur Höhenthematik im Artikel „Mexico City’s altitude poses a key challenge for teams at the 2026 World Cup“ von der Associated Press (AP)

    Danke für die Analyse und schöne Grüße

    1. Danke dir für die kluge Ergänzung! Ich habe bei allen Vorschauen etwas die Umstände mit Reisen und Stadien ausgeblendet. Japan oder Niederlande etwa müssen im Turnierverlauf extrem große Strecken zurücklegen, sollten sie weiterkommen. Da gibt es aber sehr viele „Was wäre wenn“-Faktoren. Umso besser, dass du dies Facette der Analyse hinzugefügt hast!

      Ein kleiner Hinweis: England hat zwar kein Höhentrainingslager veranstaltet, aber das Basecamp extra nach Florida verlegt, damit sie unter extremen klimatischen Bedingungen trainieren können. Ihre KO-Phase würde sie als Gruppensieger nach Miami und Mexico City führen. Es gibt also Teams, die das in ihrer Vorbereitung bedenken.

      1. Ja, die Teams haben das durchaus bedacht, auch das tschechische, nur war ein Höhentrainingslager laut Trainer Miroslav Koubek aus logistischen und organisatorischen Gründen nicht möglich. Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt, den die Höhe mit sich bringt, hinweisen, und zwar die Ballphysik. „Across typical pass and shot velocities, the ball in Mexico City in 1986 traveled on average about 7.3% farther than it would at sea level under comparable conditions. That 7.3% is your CRAP (Coefficient of Reduction in Aerodynamic Performance) in practical terms: less air resistance, longer flight, slightly flatter trajectory. If a long diagonal ball usually drops at 45 meters at sea level, in Azteca air it might carry 48–49 meters. Not exactly low-key.“ zitiert aus dem sehr lesenswerten Artikel „Mexico City Sea Level Debate: Was the 1986 World Cup Fair?“ von Football DH Gate. Da wäre dann wirklich mal eine Einschätzung der Spieler vor Ort interessant, inwieweit sich das auf Ballgefühl und lange Pässe auswirkt. Übrigens hat Mexiko vor ein paar Tagen ein Testspiel in der Höhe von Toluca (2.660 m) gegen Serbien B absolviert und 5-1 gewonnen. Insbesondere in der Schlussviertelstunde soll Serbien die Puste ausgegangen sein laut einem Bericht von The Chosun Daily. Gruß

    2. Interessanter Beitrag! Im Artikel steht, dass Südkorea auch schon seit dem 18. Mai in der Höhe von Salt Lake City verweilt. Haben die auch die Spieler frühzeitig abstellen lassen?

      Und noch eine Frage: im (individuellen) Höhentraining setzt man ja mittlerweile darauf in der Höhe zu schlafen und in der Tiefe zu trainieren. Dadurch sind intensivere Einheiten möglich. Die Logistik und das veränderte Verhalten des Balles sind Argumente dagegen, aber wenn die Vorbereitung lang genug ist (wie zumindest bei MExiko und Südkorea), müsste das ja eine Überlegung wert sein, um noch ein, zwei Prozent heruaszukitzeln. Wisst ihr, ob das so praktiziert wurde?

      1. Die koreanische Liga pausiert seit dem 17. Mai, also scheint es genau damit zu korrelieren. Anders als bei Mexiko gab es da anscheinend keinen Ärger. Die Spieler aus Europa sind auf jeden Fall erst später angereist.

        Und was das Höhentraining angeht: Zumindest auf den Videos auf dem offiziellen YouTube-Kanal des koreanischen Verbands (KFATV) trainieren die Spieler an der University of Utah. Die liegt auf knapp 1500 Meter Höhe. Also scheint es da tatsächlich um eine Gewöhnung an die Höhe gegangen zu sein und weniger um die konditionellen Vorteile.

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