4 Gedanken zu „Eschers EM-Tagebuch, Tag 27: We are someone again

  1. England will diesen EM-Titel. Um jeden Preis. Finde ich grundsätzlich auch irgendwo ok, auch wenn es vielleicht einen Trend einleiten könnte, dass man auf den Geist des Sports pfeift und dafür jede Regellücke ausnutzt. Ich meine damit weniger den Ergebnisfußball oder den Elfmeter – sondern eher diese Beobachtung, dass England konsequent auf Zeitspiel setzt, wenn das Ergebnis gerade passt. Und das mit einer Nonchalance und Kaltblütigkeit durchzieht, dass es weh tut. Sie „dürfen“ das auch, es macht auch Sinn, wenn man in Führung liegt und weiß, dass man ganz gut verteidigen kann. Sie spielen, um zu gewinnen – aber wenn sie am gewinnen sind, dann sind sie gemein und hässlich und lassen die anderen nicht mitspielen. Tiefe U-Zirkulation mit dem Ball oder „Konter an die Eckfahne“ ausspielen. Das ist schon was.

    Persönlich verstehe ich immer noch nicht, warum solcher Zynismus nicht noch häufiger auftritt. Bspw. der geschundene Elfmeter: Ein Klassiker. Aber so ein bisserl erwarte ich immer noch, dass Teams gezielt Bälle auf Hände und Ärme des Gegners spielen, um dadurch weitere Elfmeter und Freistöße zu generieren.

    Und zum VAR: Guter Punkt, dass die nächste Generation Schiedsrichter mit diesem Medium besser umgehen können wird. Ob das besser wird, wird man dann sehen, aber die Chancen sind da. Und vermutlich wird die Technik auch schneller/besser. Bspw. kein Monitor am Spielfeldrand, sondern vielleicht hat der Schiedsrichter ein Klapp-Display zur Hand und kann dort nachschauen.

    Generell stört die Überprüferei schon sehr. Das schon penetrante Überprüfen jedes Tors dämpft die Freude darüber sehr, weil man dauernd das gefühlt hat, beim Orgasmus bewertet zu werden und danach verlassen wird von seinem Partner, wenn dabei was nicht ok war. Einerseits ist es wichtig bei einem Low-Scoring-Spiel wie Fußball, andererseits wird die Sahne auf dem Kuchen schal, wenn jeder bedeutende Moment nicht direkt abgefeiert werden kann, sondern man oftmals erst aufs Tischgebet warten muss. :-\

  2. „ Die Mannschaft macht die Nation stolz. Wie sagt man „Wir sind wieder wer?“ auf Englisch?“

    It deffo was
    Football coming home 🏡 😊😊😊😊

    So drückten es unsere englischen Bekannten aus.

    LG, Nina

  3. Die Deutschen haben bei ihren Titelgewinnen ebenfalls selten bis nie den schönsten Fußball gespielt. Und hier in Deutschland hat das auch niemanden gestört. Hauptsache gewonnen. Weltmeister der Herzen waren 54 die Ungarn und 74 die Niederländer. Und 90 keine Ahnung aber nicht Deutschland. Selbst 2014 Hat Deutschland nur 2 Spiele (Portugal und Brasilien) richtig tollen Fußball gespielt. Deshalb sollten wir uns nicht zu sehr ärgern, falls die Engländer am Sonntag den Pokal nach oben strecken. Vielleicht sollten wir uns eher ärgern, dass die Engländer so ungefragt viele Elemente unsere Vergangenheit kopiert haben 😉

  4. Zu deinem Argument, dass England ja eine regulären Heimvorteil besäße und das ja bei Turnieren wie der Europameisterschaft eben normal wäre: Ja, es gibt in jedem Turnier einen Heimvorteil. Aber diese EM unterscheidet sich durch die Corona Situation von allen anderen Turnieren dadurch, dass das Stadion nicht nur voll besetzt ist sondern, dass der Anteil der Auswärtsfans verschwindend gering ist. Man möge nur an das Deutschland Spiel denken. Das ist tatsächlich ein Novum. Auch im Halbfinale bei der WM 2014 gegen Brasilien hatten sich verhältnismäßig viele deutsche Fans eingefunden, obwohl der Weg länger ist. Und bei Europameisterschaften generell sind die Wege zur Anreise für Fans nicht so lang, ergo auch der Anteil der Auswärtsfans höher. Von diesem Standpunkt ist es durchaus gerechtfertigt zu sagen England besitze einen im inter-EM- Vergleich größeren Heimvorteil als andere Nationen.

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