Deutschlands K.O.-Phase beginnt! Bereits im Achtelfinale droht mit Frankreich ein Hammergegner. Doch zunächst gilt es, Paraguay zu schlagen. Montagabend 22.30 Uhr deutscher Zeit ertönt der Anpfiff. Deutschland geht als klarer Favorit in das Duell. Können die Paraguayer das deutsche Team ärgern?
Wie verlief das Turnier für beide Teams bisher?
Deutschland spielt bisher eine durchwachsene Weltmeisterschaft. Auf einen 7:1-Kantersieg gegen Curacao folgte ein knapper 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste. Das DFB-Team stand damit bereits nach zwei Spieltagen als Gruppensieger fest. Bundestrainer Julian Nagelsmann entschied sich dennoch dagegen, seine Stammspieler im finalen Gruppenspiel zu schonen. Deutschlands A-Elf verlor gegen Ecuador mit 1:2. Diese Niederlage hinterließ einen bitteren Beigeschmack.
Paraguay hat sich als siebtbester Gruppendritter für das Sechzehntelfinale qualifiziert. Der Auftakt in die WM war schiefgegangen: Gegen Gastgeber USA gab es eine 1:4-Niederlage. Das zweite Spiel gegen die Türkei war für Paraguay bereits ein K.O.-Spiel. Die Südamerikaner gingen bereits in der zweiten Minute in Führung. Miguel Almirón sah nach 45 Minuten die Rote Karte. Es war der erste Platzverweis der WM-Geschichte für einen Spieler, der seinen Mund mit der Hand bedeckte. In Unterzahl wankten und schwankten die Paraguayer, fielen aber nicht.
Beim finalen Gruppenspiel zwischen Australien und Paraguay genügte beiden Teams ein Unentschieden zum Weiterkommen. Während die halbe Welt eine neue Schande von Gijón zwischen Österreich und Algerien herbeischrieb, gab es den wahren Nichtangriffspakt bei der Partie Australien gegen Paraguay zu bestaunen. Das 0:0 hievte Paraguay in die K.O.-Phase.
Welche Spieler fehlen?
Bei Deutschland wirkt das WM-Aus von Nico Schlotterbeck weiter nach. Für ihn dürfte erneut Antonio Rüdiger beginnen. Brown meldet sich indes wieder fit. Er könnte für David Raum in die Startelf rücken. Ansonsten dürfte Nagelsmann derselben Elf vertrauen wie gegen Ecuador.
Paraguay hat einen prominenten Ausfall zu verkraften: Diego Gómez kassierte gegen Australien seine zweite gelbe Karte. Er ist einer von nur zwei Spielern im gesamten Turnier, die wegen einer Gelbsperre das Sechzehntelfinale verpassen. Damián Bobadilla wäre der logische Ersatzkandidat für Gómez. Innenverteidiger Omar Alderete droht mit einer Verletzung auszufallen. Dafür kehrt Außen Almirón nach seiner Rotsperre zurück.

Auf welche Spielweise setzt der deutsche Gegner?
Paraguay sammelte in der Vorrunde den drittwenigsten Ballbesitz aller WM-Teilnehmer. Nur Curacao und Jordanien erzielten einen niedrigeren Wert. In Teilen lässt sich dies über die lange Unterzahl gegen die Türkei erklären (22% Ballbesitz). Doch auch gegen die USA (35%) und gegen Australien (44%) überließ das Team in vielen Phasen dem Gegner den Ball.
Entsprechend setzten die Paraguayer nur vereinzelt auf ein hohes Pressing, etwa vor dem Führungstor gegen die Türkei. In den meisten Phasen zogen sie sich in eine tiefere Ordnung zurück. Gegen die USA und gegen die Türkei verteidigten sie aus einem nominellen 4-4-2. Sobald der Gegner sie weit in die eigene Hälfte drückte, ließ sich der Rechtsaußen in die Abwehrkette fallen. Es entstand eine Fünferkette. Gegen Australien stellte Alfaro die Formation um: Hier verteidigten sie durchgehend aus einem 5-3-2-System.
Beide Varianten eint eine hohe Mannorientierung im zentralen Mittelfeld. Die Sechser verfolgen ihre Gegenspieler weit über ihre Position hinaus. Um im Spielfeldzentrum trotzdem kompakt zu stehen, rücken die Außenspieler ein. Auch die Angreifer verrichten viel Defensivarbeit. So verteidigt Paraguay auch mal mit zehn Mann im eigenen Drittel. Durch das Zentrum sind sie aufgrund ihrer engen Formation kaum zu knacken. Dafür hatten sie besonders gegen die USA, aber auch gegen Australien Probleme mit der Flügelverteidigung.

Und wie will Paraguay Tore schießen?
Das ist die spannende Frage. Im Turnierverlauf gelangen Paraguay gerade einmal zwei Treffer. Damit haben sie ihren Expected-Goals-Wert von 1,5 sogar übertroffen. Nur Tunesien und Saudi-Arabien spielten sich in der Vorrunde weniger Expected Goals heraus. Auch in diese Statistik spielt die lange Unterzahl gegen die Türkei hinein. Aber auch hier genügt die rote Karte nicht als alleinige Ausrede.
Paraguays hoher Fokus auf eine stabile Defensive schwächt das Angriffsspiel. Die Angreifer erhalten nur wenig Unterstützung durch das Mittelfeld und die Außenverteidiger. Der jeweilige Mittelstürmer soll lange Bälle halten und ablegen. In drei Spielen hat Trainer Alfaro auf dieser Position drei verschiedene Akteure ausprobiert: Antonio Sanabria, Isidro Pitta und Gabriel Ávalos. Letzterer ist der einzige Spieler dieses Trios, der bei dieser WM einen Torschuss abgegeben hat.
Im Endeffekt lässt sich Paraguays Offensivstrategie auf einen einfachen Nenner bringen: Gebt den Ball zu Julio Enciso! Der Shooting-Star aus Straßburg wird in jedem Angriff der Paraguayer gesucht. Er soll mit Dribblings und Schnittstellenpässen den besonderen Moment kreieren. Bislang gelang ihm dies eher selten, was Paraguays Offensivspiel hemmt.

Passt Deutschlands Spielweise zu Paraguay?
Auf den ersten Blick bringt Paraguay Zutaten mit, die der deutschen Elf nicht schmecken. Die Südamerikaner verteidigen kompakt und körperbetont. In der Theorie spielt Paraguay ähnlich wie Ecuador. In der Praxis liegen jedoch Welten zwischen beiden Teams: Weder ist ihre Endverteidigung so stark wie die der Ecuadorianer noch können sie im Konter Gefahr entwickeln.
Eine Frage wird sein, ob die deutsche Mannschaft endlich ihr gewünschtes Spiel durch die Mitte aufziehen kann. Deutschland positioniert viele Spieler im Zehnerraum: Florian Wirtz und Jamal Musiala fühlen sich hier genauso heimisch wie Kai Havertz. Auch Nathaniel Brown und Felix Nmecha bieten sich häufig in den Halbräumen an. Lücken wird Deutschland hier gegen Paraguay kaum finden. Das wird sie nicht davon abhalten, durch die Mitte zu kombinieren. Vielleicht gelingt es Musiala, sich gegen die nicht ganz so robuste Defensive der Paraguayer durchzusetzen.
Die zuletzt wankelmütige Defensive der Deutschen dürfte eher selten geprüft werden. Auf den Flügeln entfacht Paraguay nur wenig Power, sodass Sané kaum Defensivarbeit wird verrichten müssen. Ein leichtes Fragezeichen verbirgt sich hinter dem Zentrum: Enciso sucht im Halbraum gern das Eins-gegen-Eins. Aleksandar Pavlovic und Nmecha sahen in der Gruppenphase defensiv nicht immer stabil aus.
Was könnten die X-Faktoren werden?
Paraguay hat zwar im Turnierverlauf noch kein Gegentor nach einem Standard kassiert. Sie wirkten aber nicht immer sattelfest bei ruhenden Bällen. In ihrer Abwehr übersteigt kein Spieler die Marke von 1,90 Meter. Ecken und Freistöße haben sich zu einer Stärke des deutschen Teams entwickelt.
Deniz Undav dürfte gegen die Verteidiger von Paraguay wieder mehr Land sehen als gegen Ecuador: Willian Pacho hat gewusst, wie man den Hintern von Undav abwehrt. Diesen nutzt Undav gerne, um seine Gegenspieler wegzuschieben. Gegen Gustavo Gómez sollte der Stuttgarter sich häufiger durchsetzen können.
Schiedsrichter der Partie wird Jalal Jayed sein. Der Marokkaner pfiff bereits das deutsche Spiel gegen Curacao. Er fiel mit einer strengen Regelauslegung auf, zumindest im Vergleich zur allgemein laschen Linie bei diesem Turnier. Das würde potenziell das deutsche Team begünstigen, das sich zuletzt mit der Körperlichkeit der Gegner schwertat.
Wie stehen die Chancen auf ein deutsches Weiterkommen?
Hoch. Die Statistiken, die ich im Verlauf des Artikels präsentiert habe, deuten bereits an: Paraguay stellt einen der schwächsten Sechzehntelfinalisten. Bei den Expected Goals sind sie mit großem Abstand Gruppenletzter geworden, deutlich hinter Australien und den ausgeschiedenen Türken. Die Südamerikaner werden sich in der K.O.-Runde ganz auf ihre Defensive konzentrieren. Allerdings verteidigen sie nicht so stark wie die Elfenbeinküste oder Ecuador.
Je früher Deutschland in Führung geht, umso leichter dürfte die Partie werden. Diese Aussage mag nach Phrasenschwein klingen, war aber selten so wahr wie hier: Paraguay verfügt nicht über einstudierte Angriffszüge. Eine deutsche Führung wäre die halbe Miete auf dem Weg zum anvisierten Achtelfinal-Knaller gegen Frankreich. Je länger es 0:0 steht, umso eher kann sich die deutsche Elf selbst ein Bein stellen. Ein Ausscheiden wäre eine große Enttäuschung.
Probleme im Zentrum:
Eigentlich muss Nagelsmann hier eingreifen. Die 6, 8 und 10 sind aktuell einfach zu anfällig. Verlieren wichtige Zweikämpfe, spielen entscheidende Fehlpässe oder stehen falsch bzw. verteidigen nicht richtig mit. Jeder hat andere Probleme. Nmecha überzeugt ohne Zweifel durch Technik und Dynamik. Aber insgesamt fehlt allen eine WM-Härte, aktuell.
Anton RV, Kimmich statt Pavlovic oder Nmecha.
Undav/Nmecha statt Musiala. Oder eben mit Dreierkette …
So das Turnier ist rum. Ich hab mich gestern wieder grün und blau geärgert über Leroy Sane und Julian Nagelsmann und mir heute morgen auf sofascore die Daten der deutschen Offensivspieler angeschaut.
Hier eine Übersicht der offensiven 3er Reihe:
Leroy Sane:
– Dribblings: 2 von 17 (12% erfolgreich)
– Flanken 1 von 10 (10% erfolgreich)
– Zweikämpfe: 10 von 33 (30% erfolgreich)
– Schlüsselpässe: 3
– Spielzeit: 328 min
– Scorer: 1 Tor
Flo Wirtz:
– Dribblings: 11 von 20 (55% erfolgreich)
– Flanken 6 von 13 (46% erfolgreich)
– Zweikämpfe: 21 von 43 (49% erfolgreich)
– Schlüsselpässe: 12
– Spielzeit: 363 min
– Scorer: 3 Vorlagen
Jamal Musiala:
– Dribblings: 15 von 23 (65% erfolgreich)
– Flanken 1 von 5 (20% erfolgreich)
– Zweikämpfe: 33 von 61 (54% erfolgreich)
– Schlüsselpässe: 5
– Spielzeit: 271 min
– Scorer: 3 Tor
Wirtz und Musiala haben keine wirklich gute WM gespielt. Darin sind wir uns alle einig.
Aber was Sane da abgeliefert hat, ist meiner Meinung nach die schlechteste individuelle Leistung, die ich je von einem deutschen Spieler bei einem Turnier erlebt habe.
Wer sich seine Pass-Maps anschaut, wird Probleme haben 10 erfolgreiche Pässe von Sane zu finden, die in Richtung des Gegners Tor gingen. Seine Passquoten waren okay aber 90% davon waren Rückpässe auf Kimmich und die IV.
Wie kommt Nagelsmann trotz dieser Zahlen, auf die Idee, Sane über 4 Spiele fast komplett durchspielen zu lassen und Leute wie Amiri, Undav und Co. auf der Bank versauern zu lassen – alleine dafür sollte Nagelsmann meiner Meinung nach entlassen werden.
Diese Sturrköpfigkeit obwohl 82 Millionen Menschen am Fernseher sehen, dass etwas nicht funktioniert ist einfach unfassbar.
Der hat ein Team aus Analysten, die ihm diese Daten live während des Spiels zurückgeben können!
Wie kommt man dann darauf auf einen Spieler zu bauen, der im gesamten Turnier 2 erfolgreiche Dribblings und 1 erfolgreiche Flanke auf seinem Konto hat?!
Das ist absoluter Wahnsinn!
Als Vergleich – Musiala hat in seinen 57 min gegen Paraguay auf ähnlicher Position wie Sane 6 erfolgreiche Dribblings gehabt.
Meiner Meinung nach hatte das deutsche Spiel auch auf Anhieb eine deutlich bessere Struktur nachdem Kimmich auf die 6 und Anton als RV eingesetzt wurden.
Ich bin so wütend und frustriert.
„82 Millionen Bundestrainer auf der Couch“ haben über 4 Spiele hinweg live am Fernseher dabei zugesehen, wie wir wieder ins offene Messer rennen mit dieser Spielidee. Und der einzige in Deutschland der das nicht erkennt ist Julian Nagelsmann.