14 Gedanken zu „WM-Tagebuch, Tag 17: Die Krise des deutschen Fußballs

  1. Ein Teil der Spiele ist scheinbar nur auf Magenta zu sehen. Das dürfte eine zusätzliche Hürde darstellen; Wer eh eger lauwarm der WN gegenüber ist, besorgt sich nicht auch noch einen Streamingservice.

    1. Ich kann öffentlich keine Zahlen nennen, ohne Ärger zu bekommen. Aber nach allem, was ich unter der Hand gehört habe, sind die Zahlen von Magenta eher zu vernachlässigen. Die machen den WM-Kohl auch nicht fett.

  2. Thema DFL und Vermarktung, da stellt sich die Frage was will man denn überhaupt (außer mehr Geld natürlich)? Weltweite Vermarktung oder Konzentration auf einzelne Regionen? Was hat man zu bieten außerhalb des „Leuchtturms“ Bayern? Fernsehgelder: da beißt sich die Katze in den Schwanz denn mehr Gelder über Pay-TV bei Kunden die bei jeder Preiserhöhung extremst sensibel reagieren (um es mal vorsichtig auszudrücken). Dass SKY Kunden verliert: hängt teilweise auch daran dass dort keine CL mehr gezeigt wird, dass die Bundesliga nicht mehr komplett dort läuft. Werbeeinnahmen stagnieren, kein Wunder bei der Außendarstellung und man liest ja mehr negative Nachrichten als positive. Da ist einiges aufzuholen und ich weiß gar nicht wo man da anfangen will.

  3. Ein erster Gedanke: Bierhoff als Nachfolger von Hopfen? Könnte theoretisch Sinn machen, wenn sich „aus der Wirtschaft“ kein superstarker Netzwerker findet, der gleich mal nen Schwung Sponsoren mitbringt. Vernetzt ist Bierhoff und er kennt die Gemengelage einigermaßen. Das er quasi zum Gegenspieler überläuft ist dann natürlich auch pikant.

    Persönlich hoffe ich durchaus, dass die Bundesliga weiter leidet und abbaut. Die Überhöhung auf allen Ebenen, finanziell wie gesellschaftlich, ist auf einem absurden Maße und es würde allen mal ganz gut tun, wieder geerdet zu werden. Es wird wohl nicht passieren, dass man vielleicht mal anfängt, den Fußball nicht mehr als Ersatzreligion und die Fußballer als perfekte Vorbilder für alle Lebenslagen zu sehen. Aber wenn das Geld mal etwas weniger locker sitzt, wird hier und da vielleicht auch wieder mehr Wert auf stetiges Wachstum gesetzt und nicht auf Extremsteigerungen. Gerade der BVB mit seiner Masche, relativ oft auch einfach teuer einzukaufen und auf extreme Wertsteigerungen zu hoffen – und dabei jegliche sportliche Aufbauarbeit ruiniert, ist da ein schönes schlechtes Beispiel.

    Zu Kroatien denke ich mir, dass die im Grunde wie (ganz) früher Deutschland agieren: Ein Team, dass man besiegen muss, um Champion zu werden. Und wo ein Sieg immer mit viel Arbeit zu tun hat. Gute, disziplinierte, harte Defensivarbeit, dazu auch immer mal punktuell giftig und gefährlich vorne.

    1. das war der erste Gedanke den ich auch hatte, Bierhoff zur DFL, aber: will man das wirklich denjenigen einen solchen Posten zu geben der in der Öffentlichkeit als Buhmann und Synonym für den „Abstieg“ der N11 seit 2014 gesehen wird? Wäre spannend und heikel zugleich.

  4. Tobi, ich möchte mich einfach mal bedanken für deine großartigen Analysen und den immer sachlichen und fairen Ton. Das Ganze in einer wunderbar verständlichen Art und Weise. Sag mal, schläft du aktuell überhaupt?
    Mich macht diese hysterische Diskussion komplett wahnsinnig!
    Oft ist ja die einfachste Erklärung auch die Beste: Ich packe mal sehr viele Konjunktive zusammen. Bei jedem Einzelnen, würden wir heute Abend gegen Marokko spielen … oder hätten gestern Abend das 11-Schiessen gegen Kroatien gewonnen😉
    – Musiala trifft, nachdem er fünf Gegner im Strafraum ausgedribbelt hat, zum 2:0 gegen Japan. Die Fachwelt streitet sich darüber, ob er oder Bellingham der Spieler des Turniers wird. Flick wird ausdrücklich für die Weitsicht gelobt Musiala zu Deutschland gelotst zu haben. Dann trifft noch zufällig Moukoko und wir haben ein herrlich sympathisches junges integratives Team mit wunderbaren Gesichtern und Geschichten!
    – Sané trift bei 90min+6 gegen Spanien
    – Spaniens Fliegenfänger im Tor verhindert das 1:1 der Japaner
    – der VAR annuliert das 2:1 der Japaner gegen Spanien
    – Olmo trifft in der 89. zum 2:2 gegen Japan
    …… etc. etc.
    Ich weiß, ich weiß ….. immer Pech ist Unvermögen, aber das ist doch alles wahrscheinlicher, als jetzt die grundsätzlichen Strukuren ins Feld zu führen. das muss man auch tun, klar. Aber als ob es am falschen Quartier (das Bierhoff ausgewählt hat), am fehlenden 9er, (den es nicht gibt weil die Ausbildung falsch ist,) oder am fehlenden Willen (weil es alles verwöhnte Bubis sind), oder weil Bierhoff -von Marketingspezialisten getrieben- das Konzept der „Mannschaft“ entwickelt hat.
    Wie bilde ich denn bittesehr gezielt eine Weltklassemann für hinten links aus??? Oder einen Innenverteidiger der im entscheidenden Moment gegen Japan den Gegenspieler stoppt, oder das Abseitstellen nicht verpennt???
    Das Ausbildungssystem des DFB kenne ich sehr gut. Erzähl mir doch bitte keiner, dass das in Frankreich, England, der Schweiz oder gar Brasilien besser gemacht wird!! Das System aus über 300 Stützpunken, den NLZ etc. ist perfekt. Da rutscht keine Weltklasseverteidiger und kein Mbappé durch!!
    Schöne Grüße und eine schöne Rest WM!!

  5. Bei den Namen die jetzt im Gespräch sind (Sammer, Bobic): wo soll denn da der Input herkommen um sich neu aufzustellen, neue Ideen und (möglicherweise) Denkweisen zu implementieren. Das fühlt sich eher wie Stühlerücken an. Wobei ich jetzt keine Namen parat hätte die ich gegenhalten könnte, dafür bin ich da nicht tief genug drin. Aber die beiden genannten klingen jetzt nicht euphorisierend.

    1. Wenn da Watzke federführend dahintersteht, würde ich auch keine tollen Impulse erwarten. Der sucht immer noch nach Ersatz für seinen Geliebten Klopp und mag deswegen die erdigen, fußballstallgeruch-nahen Kämpfer und Blender.

        1. Ich hoffe aus Eigeninteresse doch inständig, dass der jetzt beim ÖFB einmal ordentlich umrührt, nachdem ihm dort so großzügige Befugnisse eingeräumt werden.

  6. weil hier mit FRA, GB, BRA verglichen wird – kann man denn einige tatsächliche Unterschiede zum DFB in Sachen Förderung, Spielerentw., Liga festmachen?

    Und ist in Italien alles plötzlich falsch, weil sie jetzt gar nicht dabei sind?
    (Bei der EM waren sie noch everybody´s Darling.)

    Spanien, weil sie kein Tor schießen?
    (Obwohl dieses Spanien-Problem älter ist, scheint man dort im Verband das irgendwie nicht wesentlich verändert zu haben.)

    Und wie aussagekräftig ist überhaupt eine WM???

    (ich stelle die Frage auch als Holland-Fan, siehe 90er Jahre)

    Nach welchen Kriterien wird Erfolg eines Verbandes gemessen/sollte man ihn bemessen?

    1. Das ist ein sehr komplexes Thema, das ich kaum in einem Beitrag beantworten kann. Immerhin habe ich den Unterschieden zwischen dem französischen und deutschen Nachwuchssystem rund 30 Seiten in meinem neuesten Buch gewidmet. Es gibt also durchaus Unterschiede.

      Fakt ist: Deutschland ist nun bei drei Turnieren hintereinander früh gescheitert. Für U17- und U20-Weltmeisterschaften qualifiziert sich der deutsche Nachwuchs nicht einmal mehr. Einzig die U21 feiert Erfolge – eine Altersklasse, die in Frankreich oder England gar keine Rolle spielt, weil die großen Talente in dem Alter eh schon in die A-Elf integriert sind. Wir haben seit bald zwanzig Jahren keinen Stürmer oder Außenverteidiger von internationalem Format mehr ausgebildet. Selbst Miro Klose war eigentlich kein Kind des Systems, sondern ein Quereinsteiger, der nie den Nachwuchs einer Profimannschaft von innen gesehen hat. Also ja, da kann man schon feststellen, dass mehr falschläuft als einfach nur „Pech bei einem Turnier“. Die Basis, aus der Engländer, Franzosen und Brasilianer schöpfen können, ist wesentlich breiter als in Deutschland – und das, obwohl nirgendwo auf der Welt mehr Menschen Mitglieder eines Fußballvereins sind. Irgendwas läuft schief – jenseits vom Misserfolg bei dieser WM.

      1. Tausend Dank und entschuldige meine Masse an Fragen (die du aber auf elegante Weise im Kern alle beantwortet hast.)

        Dein neues Buch ist noch nicht gekauft. Habe wegen Beschäftigung mit Ukrainekrieg die Fussballtaktik dieses Jahr thematisch erst mal zurückgestellt gehabt.
        Deshalb vielleicht auch von mir hier diese eruptive Fragerei.

  7. Off Topic: Niederlande – Argentinien, das wird für mich das Duell der Experten: Bastian Schweinsteiger – Tobias Escher. Beide haben sich klar festgelegt. 🙂

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