7 Gedanken zu „Eschers EM-Tagebuch, Tag 12: Bitte mehr Strategie und weniger Symbol!

  1. Zu Bartels und dem Thema dazu: Es erscheint grundsätzlich der Stil der vergangenen 10+ Jahre zu sein, dass es Medien nicht mehr genügt, (idealerweise faktenbasiert) zu berichten, sondern dem ganzen auch ein Narrativ zu verpassen. Oder schlimmerweise eine Meinung reinfärben. Das betrifft jetzt nicht nur Fußballkommentatoren, wo es relativ wurscht ist, sondern leider auch Zeitungen. Selbst die ÖR-Nachrichten haben da immer öfter eine „Deutung“ drinnen – insgesamt aber noch mit genug Abstand.

    Noch eine kleine Anekdote zu parteiischen Reportern: Es begab sich vor ein paar Jahren mal, dass Mainz 05 gegen die Bayern in München spielte. In einer Szene setzte Robben zu seinem üblichen Dribbling an, ging an einem vorbei und blieb danach hängen. Der Reporter kommentierte das extrem laut und aufpeitschend mit „Robben! ROBBEN! ROOOBBEN!!!“. Soweit, so gut. Kaum 5 Minuten später eine vergleichbare Szene. Aber von einem Mainzer. Der erfolgreich (!) ein sehr gleiches Dribbling machte, das erfolgreich mit einem (unerfolgreichen) Torschuss endete. Der Reporter bemüssigte sich nicht mal, irgendwas dazu zu sagen.

    Weniger Anekdote, sondern auch noch mal Zustimmung zu deiner Meinung zum kicker, der die Noten auch nur nach Schlüsselszenen vergibt: Der hat es ja auch geschafft, Terzic zum Trainer des Jahres zu machen. Weil er am Ende 6 Spiele am Stück gewonnen hat. Mit einer Mannschaft, die per Kader-Wert (und -stärke) durchaus die Bayern eng hätte jagen müssen und wozu er auch fast ein Jahr Zeit bekam, sie dazu zu bringen. Bo Svensson wurde knapp dahinter Zweiter. Ich weiss schon recht lange, warum ich den kicker nach gut 20 Jahren Abonnement vor gut 2 Jahren abbestellt habe. Mit „Fachblatt“ hat das schon sehr lange nichts mehr zu tun.

  2. Mal drei ganz blöde Fragen bzw. Bemerkungen zu a) der Taktik und b) der Kommentierung von Fußballspielen.

    a.1) Ich glaube, dass viele Leute auf Begriffe wie „Falsche 9“ oder „abkippender Sechser“ nicht allergisch reagieren, weil sie dieses Niveau an Komplexität in der Auseinandersetzung mit einer gegebenen Sache grundsätzlich scheuen würden, sondern weil sie glauben, dass der Komplexitätsgrad des Instrumentariums der Analyse höher ist als der des zu analysierenden Problems. Auf Deutsch: Sie nehmen an dass die analysierenden Taktikfüchse in das Geschehen auf dem Platz mehr hineinlesen als dort tatsächlich stattfindet. Dies ist es, was in vielen Menschen den von dir zu Recht attestierten Vorbehalt gegen taktische Analysen auslöst, erst Recht solch tiefschürfenden, wie sie etwa bei Spielverlagerung üblich sind, denn sie können den Verdacht der Prätentiösität oder übertriebenen Klugscheißerei wo es eigentlich gar nichts klugzuscheißen gibt, nie ganz abschütteln.

    a.2) Ein zweites Problem, das viele Menschen mit einer überwiegend oder gar ausschließlich auf taktische Aspekte fußenden Spielanalyse haben, ist meiner Meinung nach, dass sie dabei weitere bei der Entstehung einer Spielleistung unverzichtbare Elemente wie z. B. individual- oder sozialpsychologische Aspekte (Stichworte beispielsweise Mentalität, Einstellung, Gier, Siegeswille, gruppendynamische Effekte etc.) oder schlicht und einfach auch nur in einer bestimmten Spielsituation einmal Glück gehabt zu haben, zu kurz kommen sehen. Ich kann den (exklusiven) Fokus vieler Analysten (auch von dir) auf die Taktik nachvollziehen, weil sie objektivierbarer und ihre Aussagen intersubjektiv nachvollziehbar sind als wenn man bei der Erklärung des Zustandekommens einer Spielleistung auf etwas solch diffuses wie Einstellung oder Mentalität zurückgreifen muss, aber das macht ihn nicht vollständiger bzw. wird der Problemstellung nicht vollständig gerecht und hilft dem Ziel, die Akzeptanz oder Selbstverständlichkeit der taktischen Analyse in der Öffentlichkeit zu steigern, meiner Meinung nach insgesamt nur wenig.

    b) Wie außer mit historischer Pfadabhängigkeit ist eigentlich das Ideal zu erklären, dass Kommentatoren ein Spiel möglichst neutral und in ihren verbalen Ausführungen so zurückgenommen wie möglich kommentieren müssten? Dann könnte man doch ein Spiel gleich ganz ohne Kommentar anschauen, das wäre diese Denkschule in ihrer logischen Konsequenz zu Ende gedach. Denn kein Kommentar ist so neutral und zurückgenommen wie kein Kommentar.

    Wäre es, Tobias, im Rahmen dieser meiner deinen obigen Ausführungen attestierten Logik nicht wenigstens in sich schlüssig, dass wenn es schon einen Kommentar gibt, dieser dann auch wenigstens lebendig, emotional und am Spielgeschehen lebhaft teilnehmend ist und man ihn sich ansonsten doch gleich besser ganz klemmt?

  3. Das Stadion in Regenbogenfarben zu beleuchten ist doch genauso ein leeres Statement wie ein UEFA tweet. Das ändert ja nichts am Denken der Verantwortlichen in Ungarn, es ist ja genauso Konsequenzlos und hilft nur einigen Leuten sich zu profilieren wie weit fortgeschritten wir sind. Jetzt kann in Diskussionen jeder nochmal sagen wie toll man die Aktion findet und das sowas ja ganz wichtig ist in der heutigen Zeit. Dabei ist es den meisten Leuten dann ja auch egal, dass zB der FC Bayern Kooperation mit Katar hat oder ähnliches. Auch ist vielen die Homophobie u.ä in DE egal. Die politische Reaktion auf das neue Gesetz sollte doch für alle denen LGBT rechte wichtig sind ein wichtigeres Thema sein als wie das Stadion am Spieltag beleuchtet ist. Das reduziert die Politik dochauf Symbole und Personen, teilweise wirkt es ja wie : „Jetzt haben wir es dem bösen Orban aber gezeigt! Der traut sich nichtmal ins Stadion“. Eine einfache Reduktion auf gut gegen böse.

  4. Wollte Ihnen einen langen Text schreiben wie toll Sie sind. Wie toll Spielverlagerun, der Obst oder rasenfunk sind. Wie ich sie weiter empfohlen habe. Und sie dann für Ihr Statement zum Regenbogenthema schelten. Ihnen klar machen das es eine mediale und politische Kampagne ist. Georg Restle (Redaktionsleiter Monitor) hat schon am 11 Juni auf Twitter damit angefangen. Und seitdem wird täglich berichtet. Man kommt nicht aus. Und just heute wird von der Leyen in der EU tätig. Herrlich so viel starke Signale.
    Ich wollte Ihnen klar machen das eben diese Netzwerke auch dafür sorgen, dass über die Rechte von Vätern sehr wenig diskutiert wird. Einzig die FDP ist da so ein bisschen dran. (Helling-Plahr!)
    Ich wollte sie verspotten und beschämen weil sie sich für Gleichberechtigung von Transpersonen in Ungarn einsetzen. Aber nicht für die vielen entrechteten Väter in Deutschland. Ich wollte auf genderama.blogspot.com und andere Blogs verweisen. Ich wollte ohne rechtlichen Anspruch, aus dem Blauen heraus, sie unter Druck setzen, damit sie morgen bei Ihrer Analyse ein Zeichen für die Rechte von Vätern in Deutschland setzen.
    Ich wollte Social-Media-technisch ordentlich Wirbel schlagen. Rene Maric und die ganze Borussia hinein ziehen. Hätte gerne gesehen ob Sie sich dem Druck beugen. Gab es eigentlich Druck seitens Ihrer Partner 11-Freunde oder den ÖR?
    Ich wollte noch ein Loblied auf den Fußball singen. Als einzige kulturelle Errungenschaft des Menschen, die weltweit friedlich die Menschen eint. Der Fußball ist Integration. Er braucht keine Politik und Medien. Politik und Medien missbrauchen den Fußball für ihre Zwecke.
    Aber ich mache es nicht. Ich bring nur kurz diese Zusammenfassung.
    Denn ich war heute 8 Stunden im Büro. Und jetzt will mein Sohn was zum Essen. Ich habe keine Kraft. Es bringt eh nichts. Es ist zwecklos. Um gegen diese Netzwerke anzukommen muss man sich organisieren.
    Mir bleibt nur Sie zu verfluchen. Sollten sie morgen keine starken Signale senden, sollen Sie den Schmerz kennen lernen für das eigenen Kind zu zahlen, aber nicht zu wissen wie es ihm geht.
    Eigentlich will ich nur Fußball schauen. Ohne kniende Kicker, ohne fliegende Aktivisten, ohne Farben für ein starkes Signal. Ohne einen Escher mit politischer Haltung. Eigentlich klicke ich den Escher, weil ich da nüchternen Sachverstand finde.

    P.S.: Frage: Warum sind eigentliche alle ARD-/ZDF-Kommentatoren bei der EM hellhäutig?
    Antwort: Weil man Hautfarbe nicht hören kann. Das Signal ist unsichtbar und verpufft. Dann muss man sich darüber keine Gedanken machen und kann es gleich bleiben lassen.
    Das dann vielleicht als Aufmacher für die Achtelfinal-Analyse?

  5. @Max
    Ein erfrischender Kommentar; danke dafür.
    Ich selbst habe auch die Beobachtung und Erfahrung gemacht, daß viele lautstarke Advokaten des LGBTQ+-Aktivismus und Anti-Rassismus absolut keinerlei Mitgefühl oder Verständnis für im Grunde ganz ähnliche Minderheiten/‘Opfer’ haben oder sogar auf ihnen herumtrampeln. Weshalb ich an der Authentizität und an der etischen/moralischen Motivation jener Advokaten mehr als zweifele.
    Einen anderen Punkt, den Sie ansprechen finde ich auch sehr wichtig: Sport sollte m.E. ein Feld sein, wo die unterschiedlichsten Gruppen einer Gesellschaft friedlich zusammen kommen und etwas zusammen genießen/feiern/diskutieren können. Dies soll, nach meinem Eindruck, aber gezielt verhindert werden: “Teile und herrsche.” Die Superreichen dieser Welt wollen die Gesellschaften in immer mehr mit einander befeindete und sich bitter bekämpfende Gruppen einteilen, die dann gar nicht mehr merken, wie die Superreichen immer reicher und 99+% der Bevölkerungen immer ärmer und in Kriege usw. usf. verwickelt werden.
    Ich wünsche Ihnen das Beste für Ihre Situation mit ihrem Sohn.

    1. Diese Debatte da von Max fußt auf den falschen Dingen… das klingt sehr danach, wie viele die „BLACK LIVES MATTER“ Kampagne mit „ALL LIVES MATTER“ oder gar „BLUE LIVES MATTER“ gekontert haben, frei nach dem Motto, dass man ja auch an alle anderen denken soll. Dabei wird aber der Punkt verfehlt.

      Es geht im Rahmen dieser Kampagne darum, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Um Änderungen zu bewirken und Bewusstsein dafür zu entwickeln. Wenn das getan ist, geht es auch um andere Themen. Aber wenn man immer alles ins Rampenlicht setzen will, ist nichts im Rampenlicht.

      Das ist auch die Idee von Diversifizierung, Gleichstellung, „Sichtbarkeit“. Bspw. Frauen in Führungsetagen oder Rechte von Homosexuellen. Es geht darum, dass diese Leute „einfach“ die gleichen Rechte und Chancen genießen wie „die anderen“. Nicht mehr, nicht weniger. Damit man sich daran gewöhnt, muss man das ein Stück weit überrepräsentieren.

      Dito auch die Genderdebatte. Ob in Amtssprache künftig ein Gendersternchen rumflitzt, kann einem Wurscht sein. Amtsdokumente sind heute schon unleserlich und „kein Deutsch“, wenn man so will. Wenn Gendersternchen irgendwann im Duden ist oder in der Schule gelehrt wird: Fein. „Uns“ trifft das nicht mehr, aber in 10 Jahren wächst eine neue Generation heran, für die das dann normal ist. Und das hilft allen in Deutschland.

  6. Koom, Sie sind wirklich einer der Guten. Brav alles aufgezählt was uns die Medien lehren.
    Und was von Oben kommt ist gut. Muss man nicht darüber nachdenken. Einfach nur die richtige Haltung zeigen und jeden der sich weigert wird weg gebissen.
    Ich genieße nicht die gleichen Rechte als Vater wie die Mutter. Ich will das sichtbar machen. Damit mein Sohn es in 10 Jahren einmal besser hat.
    Interessiert Sie aber nicht. Den die Medien konfrontieren Sie nicht täglich mit der Thematik. Es gibt keine faschistoiden Gruppierung mit Symbolen und Parolen. Ich bin nur ein Einzelner. Da fällt es Ihnen schwer Verständnis aufzubringen. Da können Sie nicht mitmarschieren und in der Masse unter gehen. Da fällt es Ihnen einfach leichter meinen Standpunkt als falsch zu deklarieren.
    Sie weigern sich über meine Probleme Gedanken zu machen. So wollen gar nicht das mein Problem im Rampenlicht steht. All Live Matters ist natürlich richtig. Polarisiert und spaltet aber nicht so schön. Wäre sich alle einig im Bezug auf All Live Matters, könnten wir uns sachliche Gedanken machen wir wir tatsächlich etwas ändern und bewirken. Dank Black Live Matters wird einfach nur gestritten.
    Übrigens. Eine männer- und väterfreundlichere Gesellschaft würde übrigens wirklich der gesamten Gesellschaft zugute kommen. Und in den USA allen voran den dunkelhäutigen Teil. Informieren Sie sich doch mal wie viele der Kriminellen aus zerrütteten Familien kommen.

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