Die Bayern haben ein Problem – und es ist nicht Carlo Ancelotti

Juanma Lillo ist hierzulande weitestgehend unbekannt. Kaum ein Fußballtrainer dürfte in den vergangenen Jahren jedoch einen größeren Einfluss auf den FC Bayern gehabt haben. Lillo war nie tätig beim Rekordmeister, nicht einmal bei irgendeinem anderen großen Klub. Er gilt aber als Mentor von Pep Guardiola. Der Katalane schätzt an seinem Trainerkollegen, dass er das Positionsspiel, die Spielphilosophie hinter Guardiolas Ballbesitz-Fußball, in einfache wie griffige Formeln packen kann.

Eine dieser Weisheiten lautet: „Wer den Ball schnell nach vorne spielt, erhält ihn auch schnell wieder zurück.“ Dieser Lehrsatz steht exemplarisch für Lillos und Guardiolas Philosophie. Wer den Ball flach und riskant oder hoch und lang nach vorne spielt, riskiert einen Fehlpass. Und dieser Fehlpass kann prompt wieder in der eigenen Hälfte landen. Laut Guardiolas Hausbiograph Marti Perarnau verbrachte der Ex-Barca-Trainer seine ersten zwei Jahre in München damit, seinen Spielern diese Weisheit einzutrichtern.

Das Pokalspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund war ein Lehrbeispiel für Lillos Weisheit. Nachdem die Bayern das 2:1 erzielt hatten, war Borussia Dortmund gebrochen. Zu viel war in den vergangenen Wochen im Leben der BVB-Spieler vorgefallen, als dass sie dieses 1:2 einfach hätten wegstecken können. Die Abwehr schwamm, die Konter wurden wirr und ohne Ziel gespielt. Anstatt das Spiel zu kontrollieren, die Dortmunder einfach laufen zu lassen, gingen die Bayern auf ein weiteres Tor. Mutig, riskant und schnell spielten sie den Ball nach vorne.

Nur kam der Ball eben genauso schnell zurück. Vor dem 1:2 erstickte Dortmund mehrere, teils sehr riskante Münchener Konterversuche, ehe sie gegen die schlecht positionierte Bayern-Abwehr den Ausgleich erzielten. Und nach dem 2:2 vergrößerten sich die Räume für die Dortmunder zum Kontern derart, dass man hätte denken können, die Bayern wollen hier einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Die Bayern hatten keine Antwort auf Ousmane Dembeles neue taktische Rolle, der nun aus dem halbrechten Mittelfeld mit unwiderstehlichen Läufen die Münchener Abwehr öffnete. Die Bayern gaben ein Spiel, das längst entschieden war, aus der Hand. Ein Spiel, dass sie nach der Pause einfach hätten killen können – sei es auf die spanische Art mit viel Ballbesitz oder auf die italienische Art mit einer massierten Defensive. Lillo hätte es sich nicht schöner ausdenken können.

Carlo_Ancelotti_2016.jpg
Carlo Ancelotti von Светлана Бекетова. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Eine zweite, aus dem Fußballvolksmund stammende Weisheit trifft allerdings genauso auf diesen Pokalabend zu: „Wer vorne das Tor nicht macht, fängt es hinten.“ Es war nicht so, als hätte die chaotische Spieldynamik nicht auch für die Bayern jede Menge Chancen abgeworfen. Arjen Robben hätte das Spiel längst früher entscheiden müssen. Oder Robert Lewandowski. Oder Arturo Vidal. Oder Franck Ribery. Sie alle hatten hochkarätige Chancen, die die Bayern an besseren Abenden verwertet hätten.

Es ergibt sich dasselbe Problem wie unter Pep Guardiola: Das Saisonziel, zwei, wenn nicht sogar drei Titel zu holen, hat Carlo Ancelotti verpasst. Aber kann man ihn auch zur Verantwortung dafür ziehen? Er hat sicherlich Fehler gemacht. Die falsche Spieldynamik nach der Pause gegen Dortmund war einer. Thomas Müller gegen Real als 1:1-Ersatz für Lewandowski zu bringen, war ebenfalls keine taktische Meisterleistung, ebenso wenig die Auswechslungen in diesen drei wichtigen Spielen, die allesamt den Spielfluss nicht zu Bayerns Gunsten beeinflusst haben. Doch wenn Vidal den Elfmeter gegen Real verwandelt, wenn der Schiedsrichter im Rückspiel einen besseren Tag erwischt, wenn die Bayern auch nur eine der zahlreichen Chancen gegen den BVB gemacht hätten – dann würden die Bayern jetzt auf Atletico Madrid und Eintracht Frankfurt treffen. Der Konjunktiv ist im Fußball zwar wenig wert, aber selbst der größte Ancelotti-Kritiker wird anerkennen, dass diese Konjunktive relativ klein sind. Etwas weniger Pech, und niemand würde es auch nur wagen, Ancelotti zu kritisieren.

Es wäre daher falsch, die Bayern-Saison anhand der Niederlagen gegen Borussia Dortmund und Real Madrid zu bewerten. Letztlich waren die Bayern in diesem Jahr sehr konstant in ihrem Spiel. Carlo Ancelotti richtete sein Spielsystem komplett an den Spielern aus. Wenn die elf besten Bayern-Spieler in Form waren, spielten die Bayern mitreißenden Fußball. Als Thiago im Herbst fehlte, funktionierte dieses Konstrukt nicht. Ihr Formhoch hatten die Bayern, als Thiago im Februar und März groß aufspielte und Robert Lewandowski aus einer halben Chance drei Tore zauberte. Die Verletzungen von Mats Hummels, Jerome Boateng, Thomas Müller und vor allem Robert Lewandowski warfen die Bayern aus diesem nahezu perfektem Rhythmus. Vor allem ein fitter Lewandowski, der als Zielspieler das entscheidende Puzzlestück unter Ancelotti war, fehlte dem Bayern-Spiel in der entscheidenden Saisonphase. 39 Treffer erzielte der Pole in dieser Saison, ein herausragender Wert – in seinen 178 Minuten gegen Madrid und Dortmund nur einen, und das per Elfmeter. Nichts fasst das Dilemma dieser Bayern-Saison besser zusammen als Lewandowskis Torausbeute.

ribery.jpg
Ribery, Mata, Boateng von Rayand. Lizenz: CC BY 2.0

Die Kritikpunkte, die bei den Bayern ins Auge stechen, sind größer als diese beiden unglücklich verlorenen Spiele, größer sogar als die Personalie Ancelotti. Das Durchschnittsalter von Bayerns Pokalelf lag bei 29,6 Jahren. Diese Elf ist punktuell zu Höchstleistungen fähig – aber eben nicht dauerhaft. Die Bayern haben es versäumt, den teilweise schon eingeleiteten Umbruch wirklich durchzuführen. Joshua Kimmich, Renato Sanches und Kingsley Coman erhielten kaum Einsatzzeiten. Zum Vergleich: Dortmunds Pokalelf war durchschnittlich 26 Jahre alt (ohne Pulisic, Mor, Bartra), RB Leipzigs Stammelf kommt im Schnitt auf 24 Jahre. Man hat bei beiden Teams das Gefühl, dass nach oben noch Einiges geht. Bei den Bayern kann hingegen von keinem einzigen Spieler behauptet werden, dass er in diesem Jahr substantiell besser geworden ist.

Es stellt sich die Frage, wie sich die Bayern den nötigen Umbruch vorstellen. So unterschiedlich Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti als Trainer sind, die strategische Blaupause der Bayern tastete keiner an: Die hinteren Spieler, zunächst die Doppelsechs, später die Abwehrspieler, eröffnen bei den Bayern das Spiel, und zwar so, dass die Außenstürmer möglichst gut zur Geltung kommen. Guardiola, eigentlich ein Freund kleiner Mittelfeldspieler, musste erkennen, dass das Bayern-Spiel am Besten funktioniert, wenn man alles darauf ausrichtet, Robben und Ribery die nötigen Freiräume zu verschaffen.

Diese Saison hinterlässt erstmals Fragezeichen, ob diese Blaupause künftig noch funktioniert. Xabi Alonso und Philipp Lahm, der Takt- und der Balancegeber, beenden ihre Karriere. Diese Ausnahmekönner zu ersetzen wird schwierig, aber immerhin haben die Bayern die vielleicht weltbesten Aufbauspieler in der Innenverteidigung, dazu mit Kimmich und bald Süle und Rudy ungemein viel Talent im Zentrum. Doch was geschieht, wenn Robben und Ribery eines Tages nicht mehr spielen? Douglas Costa und Coman sind noch kein gleichwertiger Ersatz – wobei man nach dieser Saison geneigt ist, das Wort „noch“ aus diesem Satz zu streichen. Costa fehlt die Wendigkeit und der Blick für das Spiel, den Robben hat, Coman hat nicht den Überblick, den Ribery selbst bei seinen verspieltesten Dribblings auszeichnet. Spieler zu ersetzen ist die eine Sache – die Strategie zu ändern eine völlig andere, ungleich schwerere Aufgabe.

Hier verbindet sich das Dilemma um den Klub mit dem Dilemma um den Trainer. Diese Saison hat Ancelotti wenig gezeigt, was hoffen lässt, dass er die Bayern neu ausrichten kann. Er ist ein exzellenter Menschenkenner, ein Verwalter, der aus einer Mannschaft exakt das rausholen kann, was sie zum Leisten imstande ist. Sein Wechsel vom 4-3-3-System auf das typisch Münchener 4-2-3-1 beweist, dass er ein Verständnis dafür hat, was diese Mannschaft auszeichnet, was sie spielen will. Die Bayern-Mannschaft war in dieser Saison in ihren guten Momenten exakt die Summe ihrer Teile. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich die Leistungen von Barcelona, Paris oder Manchester City anschaut. Doch wird Ancelotti es schaffen, dass diese Bayern-Mannschaft wie in ihren besonderen Momenten unter Heynckes und Guardiola mehr ist als die Summe ihrer Teile? Wie wird die Strategie der Post-Robbery-Bayern aussehen?

Es ist ein großes Fragezeichen. Die Bayern täten gut daran, die aktuelle Saison kritisch zu hinterfragen. Nicht aufgrund der Niederlagen gegen Real oder Dortmund – diese Niederlagen können passieren. Oder, so konträr es zum stets etwas zu arroganten „Mia san Mia“-Führungsanspuch der Bayern klingen mag: Diese Niederlagen dürfen passieren. Man muss nur auf der Hut sein, dass aus diesen knappen Niederlagen binnen zwei, drei Jahren nicht deutlichere werden.

Das Titelbild ‚Allianz Arena at night‘ stammt von Richard Bartz, München aka Makro Freak, Lizenz: CC BY-SA 2.5

5 thoughts on “Die Bayern haben ein Problem – und es ist nicht Carlo Ancelotti

  1. Empfinde es als unglücklich, immer wieder eine persönlich naheliegende Facette des Fußballs als Weisheit vorzubringen (in dem Fall die Lehren Guardiolas/Lillos) und Verstöße gegen eine durchaus ins ballführende Extrem tendierende Spielweise – Ball schnell vor=Ball schnell zurück – negativ zu konnotieren.
    Zumal es dem Spielverlauf nach dem 2:1 m.E. nicht gerecht wird. Denn gerade dem BvB konnte man in Zeiten des Rückstands vorwerfen, beim Tempo des Ballvortrags dem Versuch, an die untere Grenze der Stoppuhr vorzudringen, erlegen gewesen zu sein. Der spätere Held französischer Herkunft wurde da noch als kopfloser Springinsfeld charakterisiert, Bürki als unausgegorener Hetzer. Gerade der FCB zeigte sich facettenreicher. Mal zog er sich zurück, die Dortmunder konnten nichts Gewinnbringendes aufbauen. Mal spielte man fix nach vorn, die Münchner tauchten nicht selten in guter Abschluss-Position vor dem schwarz-gelben Tor auf. Mal ließen sie sich Zeit, spielten es ruhig. Nicht zu vergleichen mit dem Guardiola eigenen Credo der Dominanz, diesem „Warten auf den Moment“, der Geduld, die im besten Fall zum überraschenden Killer mutiert. Aber m.E. weit davon entfernt, sich in einem Hin und Her dem Zufall oder offenerem Schlagabtausch, dem Verlust an Kontrolle herzugeben.
    Dass man auf Dembeles veränderte Rolle und der Auswechslung des an Konstanz und Stärke schier platzenden Hummels Löcher nicht stopfte, darf man hinterfragen. Daraus nun einen oder DEN einleitenden Irrweg dieses Spiels zu konstruieren, halte ich verfehlt.

    Beim FCB zieht sich des Gefühl fehlenden Killerinstinkts mehr und mehr durch die Jahrzehnte. Endspiele, die man dominierte, wurden vergeigt, die letzten zwei Topduelle in der CL (gegen Madrid und Madrid) hätte man aus eigener Kraft mit hochkarätigen Möglichkeiten positiver gestalten können. Gegen die Borussia schaffte man es nicht, den Ball aus besten Möglichkeiten ein drittes Mal einzunetzen, gegen Real reichte eine 1A-Kopfballchance und ein (gechenkter?) Elfer nicht aus, um das Spiel früh zu beruhigen. Gegen Atletico war es auch ein Elfer, eine Chancenverwertung, die man mindestens als verbesserungswürdig darstellen könnte. Man würde sich nicht über Müllers Positionsschwächen unterhalten müssen. Konjunktiv, aber ein sich aufdrängender.

    Mit dem Trainer hat das weniger zu tun. Dieser gibt den Spielern Vieles an die Hand, um Erfolge einzufahren. Vertrauen, Freiheit, Taktik. Er setzt auf jene, die Erfahrung und Klasse nahe der Weltklasse vereinen. Die Jungen kamen zu kurz, wurden aber selten wirklich benötigt. In der IV waren Alaba oder Kimmich dank Hummels‘ Zugang weniger notwendig, im Zentrum reichte es für Sanches nicht. Vielleicht hätten diese Spieler unter Heynckes und Pep mehr zweitrangige Spielminuten abgefasst, z.B. zwischen den Knallerspielen gegen ein strauchelndes Mainz. Ob es aber Coman, Costa oder Sanches daran fehlte, diese mit nur 200, 300 Minuten mehr in Carlos Systematik gewinnbringender ausgefallen wären. Es bleiben zumindest Restzweifel. Der letzte große Wurf mit den beiden ältesten Hasen, mit einem genialen Außenstürmer-Duo, das in der Form selten komplett zur Verfügung stand, wurde mit stoischer „Eingespieltheit“, welche auch vor Volksheld Müller nicht Halt machte, angegangen. Und man nach den beiden Pokalduellen (Madrid und Dortmund) nicht davon sprechen, dass dieser Versuch, dieser Weg eine Irrfahrt war. Es reichte nicht. Aber man war mehrfach in einer sehr guten Position (gegen Madrid vor HZ2, in Madrid nach einer unerwarteten Rückkehr ins Duell, gegen die Dortmunder mind. nach dem 1:1), ebenbürtig, überlegen.

    Nach der letzten Saison Lahms, Alonsos steht nun die vielleicht letzte Reise der großartigen Flügelzange an. Einer Flügelzange, die in vielen Momenten der „entscheidenden“ Saisonphase zeigte, wie groß der Abstand zu Coman oder Costa, selbst gemessen an deren besseren Zeiten der Saison 15/16, ist. Mit den Abgängen von Dante, Kroos, Schweinsteiger, Lahm und Alonso hat man in den letzten Jahren viel strategische Güte verloren. Mal ersetzte man sie annähernd gleichwertig (Alonso-Kroos), mal mit einem Plus (Boa ersetzt Dante in dessen Rolle, Hummels kommt hinzu), jetzt folgt erst einmal Rudy neben der besten spielenden Innenverteidigung. Hier gilt es, das neue Herz zu formen, welches sich auf den Außenbahnen schwer einkaufen lässt. Man darf gespannt sein, wie man auf den knapp verfehlten letzten großen Wurf mit einem allerletzten großen Wurf reagiert, bevor man mit einem sehr guten, erfahrenen 30er Defensivbollwerk (Neuer, Boa, Hummels, Martinez, Vidal) eine neue Balance entwickeln muss.

    Vielleicht ist dieser Schnitt nach den letzten Zuckungen einer großen, bisher nur einmal gekrönten Ära, der ideale Einsteig, um die Balance-Ausrichtung einem neuen Trainer zu überlassen, der sich aufdrängen könnte. Im Wissen um die weitere Akklimatisierung der Nachrücker (Kimmich, Sanches, Coman(?)), um erste Waffen einer heute schon teilweise anklopfenden Nachwuchstruppe (noch u17er, Tillman,…) ergänzt. 2018/19 könnte auf diese Weise manch interessante Fäden verknotet werden, mit der Saison 17/18 als endgültigem Aussiebungsprozess und eben allerletzten großen Wurf.

  2. Vielen Dank für den (wie immer!) lesenswerten Artikel! Als unwissenden Laien stellt sich mir aber doch die Frage, ob es angesichts des engen Spielplans (Verletzungsrisiko) und auch im Hinblick auf die Förderung junger Spieler sinnvoll bzw. hilfreich war, in den wirklich wichtigen Spielen vor allem auf dieselben bewährten Kräfte zu setzen. Ich hatte diese Saison echt das Gefühl, dass es eine A-Elf und eine B-Elf gibt. Bei Guardiola hatte ich mehr das Gefühl, dass Einwechslungen das Spiel verändert oder gar verbessert haben und auch den Ersatzspielern ihr Wert im Hinblick auf das Ganze eher bewusst war, vielleicht weil Guardiola seiner Mannschaft ein System (bzw. mehrere) zugrunde gelegt hat (bei Ancelotti ist es eben eher umgekehrt) und die Spieler sich daran orientieren konnten – eben auch die „Ersatzspieler“. Das schien mir bei Ancelotti eben nicht so der Fall zu sein. Ansonsten stimme ich Dir absolut zu, dass die beiden Spiele gegen Real (die fand ich total souverän) und Dortmund echt knapp waren und man daran nicht die Saison oder Ancelottis Leistung messen sollte. Beim Spiel gegen Real wurde m.E. nur wieder mal bestätigt, dass der größte Fehler der Bayern war, Kroos gehen zu lassen. Was wäre wohl aus Kroos und Thiago geworden?! Und dafür kann Ancelotti nun wirklich nichts. Ich hoffe aber, dass die Bayern auch in Zukunft einen Fußball mit Idee/Philosophie… spielen, das hat mir in den letzten Jahren sehr gut gefallen und ist mir persönlich auch wichtiger als Titel – obwohl die ja auch schön sind 😉

  3. Ich würde die wirtschaftliche Seite nicht vergessen. Vereine in der Premier League haben mehr Geld, Real und Barca ebenfalls. Juve ähnlich viel, die beiden Mailänder Vereine werden aufholen, PSG und Monaco ebenfalls.

    Bayern hat viel Geld, weil sie viel Erfolg in der CL haben. Nicht unbedingt, weil die Heimatbasis so stark wäre. Den Erfolg in der CL hatten sie, weil sie mit Müller, Lahm und Schweinsteiger drei Weltklassespieler aus der Jugend haben, die „nix“ gekostet haben. Dazu ein sehr früh gekaufter Kroos. Und dann die beiden Königstransfers Robben udn Ribéry, bei denen Bayern nur zum Zug kam, weil die wegen Verletzungsproblemen ziemlich preiswert waren (und Bayern diese Probleme halbwegs in den Griff bekommen hat – halbwegs).

    Spieler dieser Qualität, die dann noch so wenig verletzungsanfällig sind wie Lewandowski, Müller oder Neuer, ist heute quasi unbezahlbar. Die Mannschaft wird daher allein auf finanziellen Gründen immer Lücken haben, wie gesagt mit der Ausnahme, man kann drei Positionen (Lahm, Schweini, Müller) aus der eigenen Jugend füllen. Da ist aber nix, also fehlt Bayern jetzt das Geld, um auf allen Positionen richtig gut zu sein. Costa/Coman sind gute Beispiele dafür. Nicht schlecht, aber eben auch nicht Weltklasse. Eher Dortmund oder Leverkusen, nicht Bayern.

    Bayern hat einen Transferetat von vielleicht 100 Mio pro Saison. Das reicht für einen SUPERknaller, für 30-40 Mio. bekommt man halt Costas … Auch drei davon bringen einen nicht auf Champions-League-Favoriten-Niveau. Selbst für ein Lewandowski Backup muss man soviel Geld abgeben. Was tun? 3*30 Mio ausgeben? 2*50? 1*100?

    Wie viel Geld man in den Sand setzen kann, zeigt Renato Sanches … Jaja für ein Urteil ist es zu früh, aber der bräuchte definitiv einen anderen Trainer. Ancelotti schafft es leider nicht einmal, Kimmich in die erste Elf zu ziehen. Und das ist der Spieler im Kader, der unter Geld-Leistungs-Aspekten wohl das größte Potenzial für eine positive Überraschung hätte …

    1. Es ist schon richtig, dass der Fc Bayern vergleichweise relativ wenig Geld ausgibt für fertige Starspieler. Aus deinem Text entnehme ich aber folgende Formel: Je mehr Geld > desto mehr Erfolg. Je teurer der Spieler > desto besser spielt die Mannschaft bzw. mehr Titel springen raus. Das ist grob und grundlegend falsch, wie man wunderbar am Beispiel von Manchester United und auch Manchester City erkennen kann. Natürlich hatte Bayern sehr viel Glück mit den Eigengewächsen Lahm, Schweinsteiger und Müller. Selbiges hatte aber auch der Fc Barcelona mit Messi, Iniesta und Xavi. Genauso wie Barca hat auch Bayern anhand dieser Eigengewächse sich nicht nur anhand dutzender Titel an die Weltspitze katapultiert sondern dort auch manifestiert. Vor einem genauso solchen, wenn nicht größerem Umbruch steht aktuell auch der Fc Barcelona. Manchester City bekommt aktuell am größten zu spüren wie wenig wert ein De Bruyne, Aguero, Sterling und auch Da Silva sind wenn man es nicht schafft sie wie ein Team, eine Einheit spielen zu lassen.

      Dein Satz, dass Bayern so viel Geld habe wie viel sie in der Champions League verdienen würden ist mehr als nur grundlegend falsch. Mit frisch neu auferlegten Sponsorverträgen mit Adidas, der Telekom, Audi und nun auch dem katarischen Sponsor Hamad Internation Airport. Dazu 281.000 Mitglieder die fleißig „spenden“ und den Klub in jeder Form finanziell stütze, zudem ist man in China führend in der Popularität und in Merchandise Verkäufen. Sogar noch vor Manchester United, Real Madrid, dem Fc Barcelona und Chelsea.

      Der nächste Punkt aus deinem Text der grundlegend falsch ist: Der Fc Bayern hat ein Transferetat von 100 Millionen Euro. Woher möchtest du das wissen? Der Fc Bayern hat zuallererst einmal gar Obergrenze in Sachen Transferausgaben. Rein theoretisch, könnte der Fc Bayern im kommenden Transferfenster 270 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben, dabei gar keinen Spieler verkaufen. Wie das möglich ist? Der Fc Bayern München lebt nicht wie Manchester United, Real Madrid und der Fc Barcelona auf Pump. Man besitzt ein Festgeldkonto auf dem satte 410(!) Millionen Euro sitzen. Auch das Financial Fair Play spielt in dem Fall nicht die geringste Rolle. Somit stimmen deine Aussagen schlicht und einfach nicht, auch wenn sie schön formuliert wurden. Nur weil der Fc Bayern sich stur weigert 100 Mio für einen Spieler auszugeben bedeutet es nicht, dass er es nicht kann. Im Gegenteil sogar, niemand könnte es besser als Bayern München.

      Du scheinst ein großer Fan von hiesigen Stareinkäufen, da deiner Meinung nur so langfristiger sportlicher Erfolg verwirklicht werden kann. Schau mal nach Madrid, dort hat man 95 Miliionen Euro für einen Gareth Bale ausgegeben, der sich langsam den Ruf eines Glasknochens erarbeitet, wie damals Robben. Schau mal nach Manchester, wo United 105(!) Millionen für einen Pogba ausgegeben hat, der zwar an und für sich gut spielt aber nicht ansatzweise in der Lage ist auf dem Feld Verantwortung zu übernehmen, geschweige denn das Spiel seiner Mannschaft an sich zu reißen. Geld schießt keine Tore, mein Freund.
      Mit Michael Reschke haben wir einen der besten Talentscouts und Kadermanager die auf diesem Planeten existieren, er sah einen Coman bevor alle anderen es taten, er sah einen Kimmich früher als die anderen und er sah auch einen Dembele, dieser weigerte sich nun mal nach München zu kommen.

      Wie kannst du behaupten man hätte bei Sanches Geld in den Sand gesetzt? Der Junge ist nach wie vor das größte Erfolgsversprechen, dass man nur haben kann. Wurde als Stammspieler Europameister und Meister der portugiesichen Liga. Er ist erst 19(!) Jahre alt. Es ist schon ein Wunder, dass man so jemanden an die Iser holen konnte, so ein Transfer wäre noch vor 6-7 Jahren schier unmöglich gewesen. Also bitte die Kirche im Dorf lassen, der Renato hat noch eine ganze Menge Zeit. Vergiss nicht, dass United einen Pogba für 0€ damals hat ziehen lassen als er 19 war, weil man ihn für zu schlecht befand. Erst in Turin mauserte er sich zum Superstar und man holte ihn für 100 Millionen Euro zurück, das ist an sich an Peinlichkeit und Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Sanches ist auch 19 und hat extrem viel Potenzial, also Vorsicht.

      Sollten Kimmich und Coman sich zu Stammspielern hinarbeiten, bräuchte es „lediglich“ einen Top-Rechtsaußen und einen guten, jungen Rechtsverteidige mit Potential und dann sieht die Zukunft der Bayern wieder ganz anders aus, genauso wie der Altersdurchschnitt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.